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Einst
Schiffahrt auf dem Kranzbach ?
von
Willy Hochholdinger
- Partenkirchen
Von
einem alten Kanalsystem im Isartal
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Wenn
man alten Überlieferungen Glauben schenken kann, befand sich
zur Zeit der Römer im Raum Krün/Wallgau ein Floßhafen, um auf
dem Wasserweg wichtige Güter aus der römischen Heimat auf kürzestem
Weg in die Städte der Provinz Raetien zu transportieren. Es
soll sich um den Floßhafen Carina gehandelt haben, woraus sich
im Laufe der Jahrhunderte dann der Ort und dessen Name entwickelte.
Im Namen "Krün" klingt tatsächlich noch
das alte Carina heraus. Ein Einheimischer des oberen Isartals
bezeichnet Krün heute noch mit "K(a)rii", wobei zwischen dem
K und dem R immer noch ein schwaches A mitklingt. Daß sich jener
Floßhafen in der Nähe von Krün befand, ist durchaus möglich,
nur der genaue Platz läßt sich nicht mehr mit Bestimmtheit orten
- noch nicht! Ich vermute diese Stelle im Bereich des "Bärenbichl",
da dieser Ort damals eine exponierte und geografisch günstige
Stelle darstellte. Exponiert deshalb, weil dort, wo sich heute
die Orte Krün und Wallgau befinden, vor etwa 2000 Jahren ein
natürlicher Stausee vorhanden war. Einige dieser Erhöhungen,
u. a. auch der "Bärenbichl", hatten als kleine Insel bzw. Halbinseln
aus dem See geragt.
Bereits Dr. Doposcheg erwähnt in seinem
Buch "Berge und Pflanzen in der Landschaft Werdenfels" auf den
Seiten 22/23 einige dieser nacheiszeitlichen Seen. Der von mir
erwähnte See war also der Rest eines nacheiszeitlichen Großstausees
im Isartal. Dieser reichte noch von der Barriere nördlich der
Auhütte im Norden bis fast zur Lebensgefahr im Süden, und im
Westen schloß dieser See den Barmsee mit ein. Er erreichte eine
mittlere Höhe (je nach Jahreszeit) bis zu etwa 890 m üNN.
Nun wird mancher Leser fragen, warum
denn der vorhin erwähnte Floßhafen in dieser Gegend und nicht
schon in Mittenwald errichtet wurde? In späteren Zeit und zwar
bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde ja auch schon ab Mittenwald
geflößt. Das ist richtig! Als dies der Fall war, war auch das
Flußbett der Isar schon soweit reguliert, daß die Floßfahrt
ohne große Gefahr zwischen Mittenwald und Krün möglich war.
Wir stellen uns aber einmal dieses Tal mit Flußlauf vor, wie
es wohl vor ungefähr 2000 Jahren ausgesehen haben mag. Wo sich
heute der Ort Mittenwald befindet (außer Zentrum/Gries), war
ein breites und relativ seichtes Flußbett mit vielen Nebenarmen.
Weiter nördlich war dann der "Kofel",
ein Felsen mitten im Fluß, welcher eine Enge und somit eine
gefährliche Stelle darstellte. Weiter im Verlauf des Flusses
kam dann das "Horn" mit der "Lebensgefahr" einer gefährlichen
Sandreisse. Beide Stellen, welche bereits zur Römerzeit, allerdings
mit anderem Aussehen, bestanden hatten und nicht die besten
Voraussetzungen zur Floßfahrt darstellten. Erst ab Krün wurde
das Tal breiter und die als Stausee zurückgestaute Isar bot
zur damaligen Zeit die Voraussetzung zur Anlage dieses Floßhafens.
Diese geografische Lage wurde hier besonders genial von den
römischen Baumeistern ausgenutzt. Besonders der von Klais nach
Krün fließende Kranzbach wurde voll in das Hafensytem einbezogen.
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Aus
alten Sagen und Überlieferungen ist zu entnehmen, daß dieser
Kranzbach zur Römerzeit zu einem Kanal ausgebaut war. Ich bringe
hier als Beispiel einen Auszug aus der Baader-Chronik, Seite
176/177: "Südlich vom Weiler Barmsee, nur eine kleine Viertelstunde
entfernt, liegt der sogenannte Tennelesee (Tennsee). Sein westliches
Ufer besteht aus einem hohen Damm, der ein längliches Viereck
bildet und in der Mitte durch einen tiefen Graben getrennt wird.
Der Damm ist offenbar von Menschenhand hergestellt worden und
diente, wie es scheint, zur Stauung des Sees, der durch den
genannten Graben seinen Ausfluß nahm und durch eine Schleuse
geschlossen werden konnte. Dieser Graben erweitert sich außerhalb
des Dammes zu einem breiten und tiefen Kanalbett,das nach einem
längeren Lauf plötzlich in den Kulturen des Weilers Barmsee
verschwindet, um am westlichen Rande des gedachten Plateaus
wieder aufzutauchen. Dieses Kanalbett nimmt seine Richtung nach
dem Barmsee und diente offenbar als Verbindung desselben mit
dem Tennelesee. Dieser wurde, wie es scheint, vormals vom Kranzbach
gespeist. Spuren eines alten Rinnsales dieses Baches, das seinen
Gang nach dem Tennelesee nahm, sind noch bemerkbar.
Sage und Tradition beschäftigten sich
sehr lebhaft mit diesen Seen und ihrer ehemaligen Verbindung,
ja sie wollen wissen, daß die alten Herren dieser Gegend von
den ehemaligen römischen Ansiedlung in Klais und weiter oberhalb
gelegenen Sitzen auf dem Wasser des Kranzbaches mit Schiffen
zum Tennele -und Barmsee herabfuhren. Nun, das was hier überliefert
wurde, wollen wir nicht alles ernst nehmen.Doch wie bei allen
Sagen immer ein Körnchen Wahrheit zu finden ist, so mag auch
hier etwas dran sein, was zu denken gibt. Zwar war in Klais,
oder wie die Stelle einst hieß, wo jetzt Klais ist, nie eine
Römersiedlung, auch fuhren hier keine "alten Herren der Gegend"
in Schiffen womöglich auf dem Kranzbach spazieren.
Das Körnchen Wahrheit ist wahrscheinlich
in der Tatsache zu finden, daß es hier auf dem Kranzbach(kanal)
Boote oder bootähnliche Wasserfahrzeuge gab, welche auf diesem
zu Kanal ausgebauten Kranzbach entlang fuhren. Ich schließe
daraus, daß dieser Kanal eine sinnvolle Verbindung zwischen
der Römerstraße bei Klais und dem Floßhafen Carina war. |
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In
Klais wurden bestimmte Güter von der Straße auf Boote oder Flöße
verladen und zum Hafen Carina transportiert, um dort auf größere
Flöße zum Weitertransport umgeladen zu werden. Daß der Tennsee
(Tennelesee) und der Barmsee mit in dieses Kanalsystem einbezogen
war, ist nicht auszuschließen. Im erwähnten Ausschnitt aus der
Baader-Chronik war von einer Schleuse und von einem Damm die
Rede. Ich habe mir diese Anlage am Tennsee angesehen. Durch
die Gestaltung des Camping-Platzes wurde zwar sehr viel verändert,
wobei das Nordufer vollkommen umgestaltet wurde. Am Westufer
ist allerdings noch ein Stück des besagten Dammes, etwa 25m,
vorhanden. Auch hat der Abfluß des Sees noch die Form einer
ehemaligen Schleuse, welche in früheren Zeiten im geschlossenen
Zustand den See wohl um mindestens 2m angestaut haben mag. Ich
komme da zu der Ansicht, daß dieser Tennsee im damaligen Kanalnetz
so eine Art Reservebecken darstellte, von dem aus man, je nach
Wasserbedarf im Kanal im Barmsee, in Trockenzeiten Wasser in
diese Kanalanlage leiten und bei Regen oder Schneeschmelze dies
im See speichern konnte. Der Kanal mußte zur damaligen Zeit
ein geniales Bauwerk gewesen sein. Ein ausgeklügeltes System,
welches die Hafenanlage Carina mit der Straße bei Klais verband.
Der Kanal begann etwa dort, wo heute die noch sichtbare Römerstraße
im Süden vor Klais endet und führt in fast gerader Richtung
zum Tennsee. Kurz vor dessen Schleuse bog dieser Kanal nach
Norden und führte in Richtung Barmsee weiter. Baader schreibt
hierzu in seiner Chronik auf Seite 177 wie folgt: "Dieser Graben
erweitert sich außerhalb des Dammes (gemeint ist der Damm des
Tennsees) zu einem breiten und tiefen Kanalbett, das nach einem
längeren Lauf plötzlich in den Kulturen des Weilers Barmsee
verschwindet..." Als dieser Kanal einst gebaut wurde, führte
er weiter in Richtung Barmsee. Etwa dort, wo heute das Gasthaus
Barmsee steht, mußte durch den, dem See vorgelagerten Hügel
ein "Durchstich" gewesen sein, welcher die Verbindung des Kanals
mit dem See ermöglichte. Auf dem Gelände hinter diesem Gasthaus
ist heute noch, eine allerdings total verwachsene Rinne zum
See festzustellen, welche das Ende des Kanalsystems darstellt.
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Abschließend
möchte ich nochmals, im Bezug auf das Kanalsystem, Baader zitieren.
Er schreibt in seiner Chronik auf Seite 178:"Auf dem vorgenannten
Plateau (gemeint ist das Plateau zwischen dem Tennsee und dem
Barmsee) soll, wie die Sage erzählt, in uralter Zeit (Römerzeit?)
ein Kastell (Turm?) gestanden haben, das die Wege, einerseits
nach Wallgau, andererseits nach Klais und Partenkirchen, beherrscht."
Auch in dieser Sage ist wieder das "Körnchen
Wahrheit" zu finden. Ein kastellartiges Gebäude hat hier bestimmt
zum Schutz des Kanalsystems gestanden und mit den Wegen die
hier beherrscht wurden, waren sicher nur die Wasserwege des
Kanalsystems Klais- Tennsee und Tennsee-Barmsee gemeint.
Am Floßhafen selbst, den ich in der Nähe
des "Bärenbichl" vermute, haben damals bestimmt schon eine Anzahl
von Gebäuden gestanden. Ich vermute sogar, daß an dieser Stelle
oder schon vorher am Plateau wie Baader meint, ein Auxilar-Kastell
stand, welches zum Kastell in Mittenwald gehörte und zur Sicherung
der gesamten Anlage diente. In Klais, am anderen Ende des Kanals,
war wohl eine Art Lagerhaus vorhanden, in welchem die verschiedenen
Waren bis zum Weitertransport auf dem Wasserweg gelagert wurden.
Leider wird der Leser heute den Kanal
vergeblich suchen. Anlaß genug, um abschließend noch einige
Worte der Kritik anzufügen. Vorhin habe ich das Kanalstück vom
Tennsee zum Barmsee angesprochen. Damals war die Welt noch in
Ordnung. Es war vor etwa 10 Jahre. Aber kurz danach war man
dabei, dieses Kanalstück, welches ohne Zweifel ein "Bodendenkmal"
und den Rest einer imposanten Anlage darstellte, aufzufüllen
und somit zu zerstören. Hier wurde echtes Kulturgut zerstört
und mit den Füßen getreten und kein Amt nahm Anstoß daran. Warum
eigentlich? Gerade die Gemeinde Krün hätte daran interessiert
sein müssen, Teile der Vergangenheit zu erhalten. Teile nämlich,
welche einst diesen Ort entstehen ließen und ihm auch letztlich
den Namen Krün von Carina gab. |
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| Willy
Hochholdinger |
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