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Klais
"Deutschlands höchstgelegener Intercity-Bahnhof, Höhe 933m"
verkündet eine Inschrift am Bahnhof Klais. Dieser Ort hat verkehrspolitische
Bedeutung! Er hatte sie auf alle Fälle schon vor 1900 Jahren.
Hier überschritt schon in römischer und später in mittelalterlicher
Zeit die von Augsburg über Partenkirchen kommende Straße zum
Brenner den Kranzbach und trat durch einen Hohlweg in den riesigen
Scharnitzwald ein. Dieser war zu durchqueren, wollte man über
das obere Isartal aufs Seefelder Plateau zum Brenner und nach
Italien. Bevor man damals dies nicht unbedenkliche Unternehmen
begann, war eine Ruhepause oder ein Gebet am Platze. Wen wundert
es, daß hier in Klais am Kranzbachübergang der Brennerstraße
schon zu Beginn des frühen Mittelalters ein kleines Kloster
entstand? Das geschah "cum consensu inlustrissimi ducis Tassilonis",
wie die Gründungsurkunde vom 29. Juni 763 vermerkt.
Was konnte der christliche Bayernherzog
Tassilo III. - der letzte Agilofinger - auch gegen die Gründung
eines solchen Refugiums einwenden? Heute erinnert an dieses
längst verschwundene Kloster die Inschrift einer Bronzeplatte
auf einem neben dem Kranzbach stehenden ansehnlichen Block aus
Wettersteinkalk. Den nötigen Grundbesitz zum Unterhalt stifteten
laut jener Urkunde die Edelleute Reginbert und Irminfried, deren
Mutter Acklinda sowie die Vettern Oatilo und Cros. Zugehörig
zur hochadeligen Sippe der Huosi, welche weitverbreitet im bayerischen
Grenzgebiet östlich vom Lech saß. Was gestiftet wurde, lag als
Grundbesitz von Innsbruck und Imst bis nach Pasing und Mühldorf.
Vor allem aber das Gebiet um den heutigen Ort Scharnitz, Mittenwald
und der Walchengau (Wallgau). Auch Schöngeising und Gräfelfing
gehörte dazu. Die sich aus der Vielzahl der Stifter ergebende
Streuung der Schenkungen war freilich für eine zentrale Bewirtschaftung
vom Kloster aus wenig geeignet.
Die
gleiche Adelsippe der Huosi hatte schon vorher, um 750,
für
die Ausstattung der damals im Alpenvorland entstandenen sogenannten
Huosiklöster gesorgt, deren Mittelpunkt Benediktbeuern
war. Auch das Kloster im Staffelsee gehörte zu dieser
Gruppe. In derScharnitz suchten die Huosi um 763 dagegen
mehr ein Kloster
zum Vorteil ihrer eigenen Sippe zu gründen und hofften auf
Abtposten, Altersruhesitze und würdige Grabstätten. Aber der
eigentliche Initiator der Gründung war das Bistum Freising.
Dieses war damals durch die Floßfahrt schon mit dem oberen
Isartal verbunden, wobei der Scharnitzwald die benötigten
Stämme für diverse Bauten
lieferte. Außer dem Flußweg gab es auch noch die gut erhaltenen
Römerstrassen zwischen Freising und dem Gebirge,
speziell in den Scharnitzwald. Das wurde besonders
wichtig, als der Papst
in Rom sich seit
der
Mitte des 8. Jahrhunders durch enge Zusammenarbeit mit der
einzigen damaligen europäischen Großmacht, den Franken, die
umstrittene Herrschaft über die abendländische Kirche endgültig
gesichert hatte. Priester, Pilger und Kuriere mußten nun laufend
zwischen Rom und Freising unterwegs gewesen sein. Für diese
neue Aufgabe schien durch die Gründung des Klosters Scharnitz
ein brauchbarer Stützpunkt geschaffen zu sein. Dabei tat sich
Freising nicht schwer. Denn die Ausgrabungen, welche der Archäologe
Walter Sage zwischen 1968 und 1972 unternahm, ließen erkennen,
daß
die Kirche dort schon vor 763 bestand. Es wurden um diese Zeit
lediglich mehrere schlichte Holzbauten neben ihr errichtet.
Diese dienten als Wohnungen und Vorratsspeicher für die Mönche.
Davon war nur ein Gewirr von Pfostenlöchern zurückgeblieben,
deren Zusammenhang schwer zu beurteilen war. Der neue Konvent
am Kranzbach lebte zweifellos in einer gewissen Ordnung, vermutlich
nach der Mönchsregel des Hl. Benediktus "Ora et Labora".
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Modell
der Klaiser Kirche
bei einem Kirchenumzug in Mittenwald
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Die
Kirche war ansehnlich, ein einschiffiger Rechteckbau im lichten
Maß von etwa 10 mal 6,75 Meter. Ein etwas schmälerer Chor auf
der östlichen Schmalseite im lichten Maß von 3 mal 3 Meter war
angefügt. Der Durchgang zum Chor hatte etwa 2,5 Meter Höhe,
und der Eingang der Kirche lag auf der westlichen Schmalseite
zum Kranzbach hin. Baumaterial waren Bruchsteine, wahrscheinlich
gleich neben dem Kloster gewonnen, wie heute noch an verschiedenen
Stellen erkennbar. Der Kirchenboden hatte einen dünnen Sand-Estrich,
welcher auf einer Bruchsteinpackung aufgebracht war. Der Boden
des Chores war etwas erhöht, und das Dach war mit Schindeln
bedeckt. Um das Um das Bauwerk herum wurden Bruchstücke von
Keramik aus älterer und neuerer Zeit geborgen; jedoch fast nichts
vom tomatenroten "guten Geschirr" der Römer, der Terra Sigillata.
Weiter fand man noch zwei Münzen der späten römischen Kaiserzeit..
Auch nach der Auflassung durch die Mönche blieb das Kloster
Scharnitz ein kirchlicher Mittelpunkt. Vom Abt in Klais zum
Freisinger Bischof Erst als der Bau um 1100 abbrannte, übernahm
Mittenwald die Rolle dieser Kirche.
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