In
der Frühgeschichte gehörte diese Land'l den Grafen von Mindelberge,
später dem Grafen von Eschenlohe und ab 1284 ganz dem Bistum Freising.
Damals noch sehr dünn besiedelt, wohl kaum golden und reich. Drei
größere Ansiedlungen waren damals aber schon vorhanden. Mittenwald
und Partenkirchen, bis in's 5. Jahrhundert römische Stützpunkte
mit zivilen Ansiedlungen. Als dritter Ort entstand um 302 n.Chr.
Garmisch aus einer Hube des Germar. Erst später, zu Beginn des
15. Jahrhunderts scheint die goldene Sonne über dem "Land'' aufgegangen
zu sein.
Die Voraussetzung hierfür erfolgte etwa
100 Jahre früher an der Adria, als die Republik Venedig den gesamten
lavantinischen Handel in ihre Hände bekam. Man schrieb das Jahr
1342, als Venedig mit Sultan Orchan für Kleinasien und Ägypten
einen Handelsvertrag abschloß. Für den Handel mit den europäischen
Ländern im Norden waren die Voraussetzungen vorhanden. Es waren
die Trassen der alten Römerstraßen in Nord-Süd-Richtung. Im Norden
war Augsburg das alte römische "Augusta vindelicum" bereits seit
den Zeiten der Kreuzzüge ein bedeutender Handelsplatz geworden.
Augsburg und Venedig verband eine dieser alten Straßen und an
der "Kaiserstraße, der ehemaligen VIA RAETIA, lag ein Ort als
besonderer Handels- und Verkehrsknotenpunkt, der, weis Gott warum
dazu auserwählt wurde Es 'war der aufblühende Ort Mittenwald im
Werdenfelser Land, jenes alte SCARBIA an der ehemaligen Römerstraße.
Bereits im Jahre 1407 gab Bischof Berchtold
diesem Ort das Marktrecht mit eigenem Wappen und Siegel, "weil
er gar mancher- ley Handel und Werbung habe". Die Glanzzeit, jene
goldene Zeit/fällt in die Zeit von 1487 bis 1679, fast 200 Jahre,
als die Kaufherren der Lagunenstadt den "Bozener Markt", bzw.
die damit verbundenen Märkte nach Mittenwald verlegten. Grund
dafür waren die Streitigkeiten zwischen den Venezianern und dem
DUX AUSTRIAE SIGISMUNUS, genannt Sigismund der Münzreiche. Anlaß
war die Forderung Sigismunds, alle fremdländischen Münzen in "seine"
Silbertaler umzutauschen, da nur diese Münzen in Bozen und im
gesamten Tirol Gültigkeit hätten.
Im werdenfelsischen Mittenwald dagegen galten alle Münzen
Europas und man verlegte sogar die Abrechnungsbörse hierher, welche
den Wechselkurs aller damaligen Münzen festlegte. Ab diesem Zeitpunkt
kam Reichtum in's Land'l. Nun wurde dafür die "Rott" verstärkt
und ausgebaut, eine Vereinigung von Fuhrleuten, welcher das alleinige
Recht zustand, die aufgespeicherten Güter gegen "Niederlaggeld"
und Fuhrlohn nach der jeweils nächsten Rottstation zu verfrachten.
Der schon vorhin erwähnte Bischof Berchtold von Wachingen erließ
bereits die erste Rottordnung. Als der Handel in Mittenwald florierte,
wurde die Rottordnung überarbeitet, Satzungen ergänzt, welche
die Anlage und Unterhaltung der "Rottstraßen" und deren Nutzungsgebühren
betraf. Auch reichten die Straßen nicht mehr aus und es mußten
neue Straßenverbindungen geschaffen werden.
Um bestimmte Güter auf kürzestem Wege nach München zu bringen,
erbaute der Baiernherzog Albrecht 1492 auf Anraten des Münchner
Bürgers Heinrich Barth die Kesselbergstraße, wodurch für Mittenwald
und Werdenfels eine neue Verkehrsader geschaffen wurde. Entlang
dieser Rottstraßen entstanden in den jeweiligen Orten zur Aufnahme
der Waren und der vielen Fremden zahlreiche Gasthäuser mit Gütermagazinen,
Hofräumen und Stallungen. Eigene Waren- und Ballenhäuser mit weiten
Eingangstoren und Gewölben wurden gebaut. Im "Land'l" errichtete
Mittenwald als erster Ort bereits 1470 ein eigenes Ballenhaus.
Ebenso die erste Schule, da der Verkehr mit den Handelsleuten
Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen verlangte. Kostbar,
zahlreich und mannigfaltig waren Kaufmannsgüter, welche in Waren-
und Ballenhäuser gestapelt und weiter- verfrachtet wurden.
Es waren die Schätze des Orients und Italiens,
nämlich erlesene Gewürze, Südfrüchte, Ballen mit Samt, Seide und
Baumwolle aus Ägypten, Ölfässer und Fässer mit köstlichem Wein,
welche zum Weitertransport nach dem Norden hier gelagert und dann
weiter transportiert wurden. In umgekehrter Richtung kamen von
den Reichsstädten Augsburg und Nürnberg wertvolle Tuchwaren der
Fugger und Welser, sowie Goldschmiedearbeiten, Gebrauchsgegenstände
und Waffen nach dem Süden und in die Lagunenstadt.
Neben dieser Straßenrott sei auch die sogenannte "Nasse
Rott" erwähnt, welche bei uns auf der Isar und der Loisach in
Richtung München erfolgte. Mittenwald besaß bereits seit 1450
einen Flußhafen, 50 Meter lang und 16 Meter breit. Am Ufer des
Hafens stand der Ländstadel, in dem die Waren bis zur Weiterfahrt
gestapelt wurden. Der Anfang der Floßfahrt liegt allerdings im
dunkeln der Geschichte. Der Name CARINA für Krün, vom Einheimischen
immer noch mit K(a)ri bezeichnet, deutet auf die Floßfahrt mit
Floßhafen hin. Dieser römische Name läßt also darauf schließen,
daß schon zur Zeit der Römer von hier aus Waren auf dem Wasserwege
nach Passau (CASTRUM BATAVA) gebracht wurden. Später wurde durch
die Gründung der Isarstädte München (1158) und Landshut (1181)
der Floßverkehr wieder in's Leben gerufen und erreichte z.Zt.
des Bozener Marktes den Höhepunkt. Geflößt wurde allerdings bis
in das aufgehende 19. Jahrhundert, wo Werdenfelser Flöße bis Wien
und Budapest fuhren.
Der Zeitpunkt, als das Land'l am "goldensten"
war und den Namen "Goldenes Land'111 verdiente, war eindeutig
die Zeit des "Bozener Marktes" mit seinen Märkten. Nach der Rückverlegung
im Jahre 1679 gab es zwar immer noch die Rott, aber diese mußte
mit Fleiß und schwerer Arbeit erkauft werden. Jene Taler und Gulden
aus der Zeit dieser Märkte, welche damals in Mittenwald zurückblieben
und im Land'l verteilt wurden, war vorbei. Den goldenen Zeiten
folgten schlechte Zeiten. Kriege, wie etwa der "Spanische Erbfolgekrieg"
(1703 - 1715), hinterließ im Land'l seine Spuren durch Einquartierungen,
Plünderungen und Bränden. Es folgte der "Napoeonische Krieg" mit
Plünderung und Brandschatzung durch die Tiroler und ab dem Jahre
1802 hörte das "Goldene Land' auf zu existieren.
Durch das Dekret vom 09.10.1802 wurde die
einst reichsunmittelbare Grafschaft Wardenfels churblairisch.
Ob dieses ehemals "Goldene Land' heute noch oder wieder "golden"
ist, sei dahingestellt. Über 50 Jahre Frieden in Reichtum und
Wohlstand, lassen zumindestden Eindruck entstehen, daß es wieder
"golden" sei.