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Via Raetia
von Willy Hochholdinger
- Partenkirchen
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Allgemeine Einleitung
Im 4. Jahrhundert v.Chr., als die blühende griechische Kultur
zerfiel, war im damaligen Italien eine politische Einigung
im Gange. Eine Einigung mit verschiedenen Stämmen, welche
das spätere Weltreich der "Römer' entstehen ließ. Ein Weltreich,
wovon die Griechen und Spartaner nur träumen konnten. Doch
bevor es soweit war, müssen wir das Rad der Zeit um 400 Jahre
zurückdrehen.
Zu dieser Zeit, etwa 8oo v.Chr., erschien an der Westküste
Mittelitaliens ein Volk, welches sich dort niederließ und
sich in das Landesinnere bis zum Po und zur Adria ausbreitete.
Es waren die Etrusker! Sie drängten die Ureinwohner des Landes,
die Ligurer, Illjrer und Italiker zurück, teils nahmen sie
diese gefangen und machten sie zu Sklaven. Das muß der Zeitpunkt
gewesen sein, wo Illyrer und Italiker nach Norden flüchteten
und in unserer Gegend auftauchten und seßhaft wurden.
Woher diese Etrusker stammten, ist nicht mehr sicher zu sagen,
womöglich kamen sie aus dem Orient. Die Etrusker nannten sich
selbst RASNA oder RASENA, die Griechen bezeichneten dieses
Volk nach dem sagen- haften Sohn des Lyderkönigs Tyrrhenos
als TYRRHENER. Die Griechen nannten sie auch manchmal TYRSENER,
man vermutet nach dem Heros Tyrsenos aus Mysien, einem Sohn
der Telephos und somit einem Enkel des Herakles. Meines Erachtens.
kommt hier die erste Version der Wahrheit am nächsten, denn
auch nach der Sage (Sagen enthalten ja immer ein Körnchen
Wahrheit) hat eine Hungersnot in Lydien einen Teil der Bevölkerung
unter dem Königssohn TIRRHENOS zur Auswanderung gezwungen.
Vermutlich haben große Völkerverschiebungen in Kleinasien
dazu geführt, daß um 1000 v.Chr. viele Menschen per Schiff
ihre Heimat verließen und über Umwege, später an der Westküste
Italiens landeten. Spätestens im 8. Jahrhundert v.Chr. müßte
dann diese Wanderung beendet gewesen sein, denn von dieser
Zeit ab, entstanden die ersten Mittelpunkte etruskischer Kultur
in TARQUINIA und CAERE. Durch die spätere enge Beziehung mit
Phönikiern und Griechen vermischten sich die kulturellen Grundzüge
der lydischen Ursprungskultur und nahm völlig neue Formen
an. Durch Ausgrabungen erhielt man doch wenigstens ein anschauliches
Bild über ihr Leben und ihre Gewohnheiten des 6. bis 3. Jahrhunderts
v.Chr. Im 5. und 4. Jahrhundert war das etruskische Reich
mehr ein Bund vieler großer Städte, darunter etliche Seehäfen.
Der etruskische Stamm bildete die Oberschicht und lebte in
den Städten, u.a. auch in Rom. Diese Stadt wurde von den Etruskern
zwischen 814 bis 729 v.Chr. gegründet. Die Macht des etruskischen
Städtebundes verlagerte sich dann im Laufe der Zeit immer
mehr auf Rom und ließ sie auch zum Mittelpunkt entstehen.
Von Rom aus entstand dann auch das römische Weltreich. Die
Bezeichnung 'Römer", welche ursprünglich nur für die Bewohner
Roms galt, wurde später auf alle Angehörigen des römischen
Reiches betragen. Die ersten "Kaiser" dieses Reiches waren
noch Etrusker, später aber regierte dann andere "Römer". Man
sprach dann nur mehr von den Römern allgemein. Keiner sprach
mehr von den Etruskern oder bezeichnete sich als solcher.
Es gab nur mehr Römer und einen Staatenverband der Römer.
Ein Reich welches sich innerhalb einiger Jahrhunderte zu einem
riesigen Imperium entwickelte.
Zur Zeit des Kaisers Trajan, von 98 bis 117 n.Chr. erreichte
dieses Imperium seine größte Ausdehnung. Es reichte von Schottland
bis zur Sahara und von Spanien bis Mesopotamien. Nach dieser
Zeit aber begann das Imperium zu zerbrechen. Die Feinde von
außen und von innen trugen dazu bei. Im Norden und Westen
waren es germanische und keltische Stämme (Gallier), welche
unaufhaltsam gegen den Limes rannten und diesen auch Überschritten.
Das einst große Reich begann zu schrumpfen und im Jahre 395
n.Chr. zerbrach es in zwei Teile. Es gab von diesem Zeitpunkt
ein west- und ein oströmisches Reich.. Als erstes Teilreich
zerfiel das oströmische Reich- im 5. Jahrhundert n.Chr. Das
oströmische Reich, von Byzanz regiert, existierte bis zum
Jahre 1453.
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Die militärische Präsenz in RAETIEN
Die nachstehenden Zeilen über die militärische Präsenz im
damaligen RAETIEN behandeln den Zeitraum zwischen 200 und
300 n.Chr. Die Hauptmacht der römischen Streitkräfte befand
sich zur damaligen Zeit entlang der Nordgrenze. Zwischen Kehlheim
und Passau war die Donau (DANUVIS) die Staatsgrenze und zugleich
Verteidigungslinie nach Germanien. Westlich davon, zog sich
der Limes, später dann Teufelsmauer genannt, als Verteidigungswall
entlang der Grenze in nordwestlicher Richtung.
Dieser "Wall" wurde um 70 n.Chr. unter VESPESIAN errichtet
und stellte auf einer Länge von ca. 166 km (nur raetischer
Limes!) einen Schutz gegen die Germanen dar. Die gesamte Provinz
RAETIEIN reichte vom Bodensee bis zum Inn und unterteilte
sich in RAETIA PRIMA (südlicher Teil) und in RAETIA SECUNDA
(nördlicher Teil). Zum Schutz dieses Gebietes standen damals
etwa l0 bis 12 000 Mann (etwa 20 Kohorten - 2 Legionen) zur
Verfügung. Für heutige Verhältnisse eine relativ geringe Anzahl
Soldaten welche aber damals voll ausreichte, da das gesamte
Gebiet sehr dünn besiedelt war. Von diesen Soldaten waren
etwa 2/3 (ca. 8 000 Mann - 14 Kohorten) entlang der Nordgrenze
eingesetzt. Der "Stab" und Sitz des Legaten war in AUGUSTA
VINDELICUM (Augsburg). Dieser Legat war zugleich Legionskommandeur
der in RAETIEN eingesetzten III. italischen Legion und politischer-Statthalter
der Provinz. Später wurde dieses Amt geteilt. Der zivile Verwaltungsbeamte
hieß PRAESES, der militärische Oberbefehlshaber hieß DUX.
Außer AGUSTA VINDELICUM, waren CASTRA REGINA (Regensburg),
CASTRA BATAVIA (1-assau-Altstadt) und EF,RVIODGRUM (Straubing)
wichtige Garnisionsstädte. Weitere wichtige Kastelle waren
u.a. in ABUSINA (Eining) und VALLATUM (b. Manching), wo z.B.
eine ganze ALA (Reiterkorps) lag.
Der Rest der Soldaten verteilte sich innerhalb RAETIEN als
Schutz- und Versorgungstruppen. Diese Angeben entstammen dem
"Regensburger Militärdiplom", eine in Regensburg gefundene
Aufzeichnung. Der FRÄFEKT des Legaten hatte für die Versorgung
dieser Truppen in FOETES (Füssen) sein Hauptquartier. Zu seiner
Verfügung waren die Kohorten in den Kastellen CAMBODUNUM (Kempten)
und VISMANIA (nähe Isny) mit je ca. 500 bis 600 Mann stationiert.
Diese waren Teile der III. italischen Legion. Eine weitere
Kohorte für die Versorgung und für Nachrichtenübermittlung
lag in TERIOLIE (Zirl). TERIOLIS war mehr eine Versorgungs-
und Nachrichtenverteilerstelle der Hauptstadt Rom und der
Versorgungszentrale TRIENTO. In der unmittelbaren Nähe von
TERIOLIS befand sich auch die Straßenkreuzung, von welcher
die Straßen ab VELDIDENA (Wilten/Innsbruck) in verschiedene
Richtungen führten.
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| Nach
Osten den Inn (AENUS) entlang über MASCIANO (Schwaz) - ALBIANO
(Raum Wörgl) in die Provinz NORICUM.
Nach Norden über TERIOLIS (Zirl) - SCARBIA (Mittenwald) mit
dem Floßhafen CARINA (Krün) - PARTHANUM (Partenkirchen) und
weiter über COVELIACAS (Insel Wörth) zur Hauptstadt AUGUSTA
VINDELICUM (Augsburg).
Nach Westen über TERIOLIS und über die Querverbindungsstraße
VIA DECIA zur VIA CLAUDIA und weiter nach FOETES (Füssen).
Eine weitere Straße den Inn in westlicher Richtung zur VIA CLAUDIA
wird angenommen.
Nach Süden oder besser von Süden kommend, die Straße über den
Brenner aus dem Mutterland. |
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Die Römerstraße von Italien nach Augsburg Straßenbau wurde bei
den Römern sehr aktiv betrieben. Die Devise der Römer lautete.
"Mit Schwert und Schaufel Länder erobern". Dies war aber nur
möglich, indem jeder Legionär nicht nur ein guter Soldat, sondern
auch ein guter Straßenbauer sein mußte. Schwert und Schaufel
mußte also jeder führen können. Nur so war es möglich, mit jedem
Vorstoß in ein fremdes Land, sofort Straßen und Befestigungsanlagen
(Schanzen, Kastelle usw.) zu errichten. Abgesehen vom logistischen
und militärischen Standpunkt, sich dadurch Nachschub und auch
Rückzugswege zu schaffen, wurde automatisch jedes eroberte Land
an das "einheimische Straßennetz" und zugleich an das "Mutterland"
angeschlossen.
Allerdings stellten vorerst im Norden die Alpen eine fast unüberwindliche
Barriere dar, welche erst zu überwinden war. Neben den natürlichen
Hindernissen (Hochgebirge), waren noch die wilden Bergbewohner,
jene "raublustigen" RAETER zu überwinden. Dies scheiterte anfangs.
Erst z.Zt. des Kaiser Augustus, als DRUSUS sich im raetischen
Krieg (15 v.Chr.) den Brennerübergang erkämpfte und sich diese
RAETER untertänig machte, stießen die römischen Legionen in
drei Hauptrichtungen in den Alpenraum vor.
Somit wurde der Weg nach Norden frei. Die drei Hauptrichtungen
waren: a) Über Finstermünz und dem Fernpass über FOETES (Füssen)
nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg). Diese Straße hieß: VIA CLAUDIA
AUGUSTA. Zu deutsch; Straße. des Nero Claudius Drusus nach Augsburg.
b) Über den Brenner und dann weiter nach Norden aber TERIOLIS
(Zirl), SCARBIA (Mittenwald), PARTANUM (Partenkirchen), Über
COVELIACAS (vermutl. Insel Wörth im Staffelsee) und weiter nach
Augsburg. Diese Straße nennt man: VIA RAETIA. e) Über den Brennerpaß
und dann östlich durch das Inntal nach PONS RAETIA (nördl. Rosenheim).
.Entlang dieser Straßen wurden überall Kastelle" Schanzen, Mansiones
und Siedlungen errichtet. Die meisten dieser Straßen in nördlicher
Richtung fiihrten direkt oder über Umwege zum Straßenknotenpunkt
und zur Hauptstadt RAETIENS nach AUGUSTA VINDELICUM. |
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| Wenden
wir uns zunächst der ersten dieser römischen Heerstraßen zu,
welche von DRUSUS im raetischen Krieg angelegt wurde, der späteren
VIA CLAUDIA AUGUSTA.
Diese Straße führte, von Rom kommend, über VERONA, PONS DRUSI
(bei Bozen) und STATIO MAIENSIS (Meran), durch den Vintschgau
und wie schon vorhin erwähnt, weiter über Finstermünz - Fernpass
- FOETES (Füssen) nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg). Später
wurde diese Straße von Claudius, dem Sohn des Drusus, im Jahre
15 n.Chr. zur Heerstraße ausgebaut, daher der Name VIA CLAUDIA
AUGUSTA d.h. Straße des Claudius nach Augsburg. Zur gleichen
Zeit führte schon über den Brenner und dem Seefelder Sattel
eine einfache Gebirgsstraße (Saumpfad), welche später in den
Jahren 195 bis 211 n. Chr. von SEPTIMIUS SERVERUS durch Brückenbauten
und Wasserregulierungen zur wichtigsten Heerstraße ausgebaut
wurde und der VIA CLAUDIA den Rang ablief. Diese neue Straße
stellte nach Fertigstellung die kürzeste Verbindung von VERONA
nach AUGUSTA VINDELICUM über eine Entfernung von 430 km dar.
Sie wurde die Hauptverkehrsader zwischen dem römischen Mutterland
und der Provinz RAETIEN. Nach der Peutingertafel (TABULA PEUTINGERIANA)
führte diese Straße von Süden kommende über VIPITENO (Sterzing)
- MATREIO (Matrei/Brenner) VELDIDENO (Wilten/Innsbruck) - TERIOLIS
(Zirl) SCARBIA (Mittenwald) - IARTHANUM (Partenkirchen) - COVELIACAS
(Insel Wörth) - AVODIACO (Epfach) nach AUGUSTA VINDELIGUM (Augsburg).
Die Peutingertatel (PT) ist nächste Seite zu sehen. Diese Straße
ist für uns insofern von Bedeutung, da sie durch ein Gebiet
führte, welches heute unsere Heimat ist. Mit diesem Straßenabschnitt
durch das Werdenfelser Land, wollen wir uns auf den nächsten
Seiten befassen. |
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Die Römerstraße durch Werdenfels
Wir befinden uns am Ausgangspunkt unserer geistigen Wanderung
entlang der Römerstraße im Süden an der Grenze zwischen Bayern
und Tirol. Man stelle sich die hochwasserführende Isar zur
linken und die Lawinen- und Murenträchtigen Berge zur Rechten
der Straße vor. Ein Gebiet also, welches damals den kulturgewohnten
Stadtrömer nicht recht zum Verweilen verlockte. So ist es
auch zu verstehen, daß die damaligen Erbauer dieser Straße
sich zwar näher an den Fluß, der Orientierung wegen, heranwagten,
sich aber voll Respekt vom mächtigen Berg mit seinen Schnee-
und Steinabgängen fernhielten. Die Straße wurde also, nachdem
diese im jetzigen Ort Scharnitz (den es damals noch nicht
gab) die Isar überquert hat, am rechten Flußufer entlang erbaut.
Es war mehr eine Überbauung eines schon vorhandenen Saumpfades.
Dieser führte, laut Überlieferung, schon vor der Eroberung
RAETIENS über den Brenner und dem Seefelder Sattel in unsere
Gegend. Diese Überbauung erfolgte zwischen 195 bis 210 n.Chr.
durch SEPTIMIUS SEVERUS, der die gesamte Straße während seiner
Regierungszeit zur Heerstraße ausbauen ließ. Da aber in diesem
Gebiet der Raum zwischen Berg und Fluß sehr knapp war, behielt
man die Urtrasse in etwa bei und überbaute sie nur.
Allerdings ist von dieser Straße nur sehr wenig übrig geblieben
Sie wurde nach der Römerherrschaft immer weiter benutzt und
später im Mittelalter zur Rottstraße erneut überbaut. Grund
für diese erneute Überbauung und Weiterbenutzung war eindeutig
die solide Konstruktion der Grundtrasse. Diese Straße war
für damalige Verhältnisse von den römischen Straßenbauern
so perfekt aufgebaut, daß sie mehrere Jahrhunderte ohne größere
Reparaturen benutzt werden konnte.
Ein weiterer Grund für die Weiterbenutzung ist in der geraden
Linienführung ohne große Umwege zu suchen. In unserem Bereich
haben dann noch die späteren Uferbebauungen und die Einwirkungen
der Naturgewalten das -übrig gelassen, was wir heute noch
zwischen der Landes- und der Kreisgrenze sehen können: Sehr
wenig ! Der Verlauf der Straße ist aber in diesem Bereich
so- weit gesichert und dank alter Straßenkarten und Straßenbeschreibungen
auch in der groben Richtung bekannt. Was ist aber nun tatsächlich
noch zu sehen? Gleich nach der Grenze ist nichts mehr vorhanden.
Erst in Höhe "Brunnsteineck" sind noch vereinzelt schwache
Spuren der Rottstraße sichtbar, die wiederum überbaute Römerstraßenteile
sein können. Im weiteren Verlauf , etwa in Höhe des "Schwarzwaldes"
sind noch Hohlwegspuren. Römerstraße ? Danach ist die Römerstraße
unter der Bundesstraße anzunehmen. Dies vermutete auch schon
Eberl vor 1910, als er diese Straße beging. Allerdings hat
er damals noch etwas mehr gesehen, denn er schreibt in seiner
Abhandlung im "Das schwäbische Museum" folgendes: "Von der
Isarbrücke (Mühlbrücke) südwärts liegt die Römerstraße wohl
unter der Staatsstraße. Ohne Spur. g730 m südlich der Brücke
beginnt an der Waldgrenze, l0 m östlich der Staatsstraße,
ein schöner 6 m breiter Damm, der sich längs einer Isartrasse
hinzieht und in seinem südlichem Teile zerfahren, nach 300
m wieder an der Staatsstraße endet." Dies trifft in etwa auf
die vorhin erwähnte Stelle zu. Erst in Höhe der Wörthbrücke
verläßt die Römer- bzw. Rottstraße die Bundesstraße und ist
im Verlauf der Riedkopfstraße anzunehmen.
Durch die spätere Bebauung ist leider alles zerstört worden.
Derjenige, der dieses Gebiet noch vor der Bebauung kannte,
wird sich noch an die Straßenreste (Hohlwege) erinnern.
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| Ich
hatte als Junge noch das Glück, diesen Straßenabschnitt inmitten
von Weiden und sonstigem Gehölz begehen zu können. Es muß 1947
gewesen sein, als ich hier ein kleines verwittertes Scheibchen
fand, welches sich nach Reinigung als Silbermünze von 1637 herausstellte.
Ein Zeichen, daß hier die Rottstraße entlang führte, was dem
Verlauf entsprechend, nur die überbaute Römerstraße sein konnte.
Schade daß dieser Teil der Römer- und Rottstraße, zwischen der
Wörthbrücke und der Mühlbrücke diesen Baumaßnahmen zum Opfer
fiel.
Der weitere Verlauf der Straße fiihrte an die äußerste Kante
des Burgbergvorsprunges heran. Hier mußte zur Römerzeit der
erste Flußübergang mittels Brücke gewesen sein. Etwa dort, wo
sich heute die sog. Mühlbrücke (Gemeindewerke) befindet, nur
mehr links davon, etwa an der Stelle beim "Hlg. Antonius", muß
die Brücke gewesen sein. Die Örtlichkeit war ja damals ganz
anders. Es gab noch keinen Mühlbach in der Nähe und auch die
Isar war noch nicht so tief "eingebettet". Die Straße mußte
damals hart am Berghang entlanggeführt haben und daher unter
den Häusern "Zur Mühle", "Gasthaus Germania" und "Weinkellerei
Neuner" liegen.
Etwa dort wo heute die Straße nach Leutasch abzweigt, machte
die Römerstraße einen Knick nach Westen Unmittelbar nach diesem
Knick, muß man zwei Straßenzüge annehmen. Eine alte Straße,
basierend auf einen noch älteren Saumweg und eine neue Straße
ab etwa 200 n.Chr. Die erste der beiden Straßen fiihrte gerade
weiter, etwa im Verlauf des heutigen Römerweges zwischen Frühlingsstr./Ludwig-Murrstraße
-Puit - Kranzbergstraße - Kalvarienberg - weiter zum Gröblweg
abfallend. Auf Höhe des letzten Hauses hat die Römerstraße den
von, links kommenden Wildbach überschritten (Brücke?) unf führt
weiter in Richtung Sonnleiten. Die Straße führt weiter abwärts
und im weiteren Verlauf ein Stück an der Stelle entlang, wo
später die alte "Gsteigstraße" darüber gebaut wurde. Kurs vor
der zur rechten Seite liegenden Wiese in den Wald ab und führte
in Richtung des jetzigen Eisenbahnviaduktes (noch schwache Spuren).
Hier überquerte die Straße einst mittels Furt (oder Brücke?)
den Abfluß des einstigen Schmalensees, den ich LACUS SCARBIANUS
taufte mündete in den Bockweg ein.
Der weitere Verlauf ist im Bockweg anzunehmen, da der Schmalensee
zu jener Zeit alles andere als ein schmaler See war. Er reichte
mit Sicherheit bis an die damalige Straße heran und überflutete
sie auch mit Sicherheit zu bestimmten Jahreszeiten. Die mag
u.a. auch der Anlaß gewesen sein, diese Straße aufzugeben und
einer neu angelegten Straße im Tal den Vorzug zu geben. Diese
Straße wurde also nur bis zum Ausbau von VERONA nach AUGUSTE
VINDELICUM durch SEPTIMIUS SERVUS (195 - 211 n. CHR:) benutzt.
Im Zuge dieses Straßenbaues wurde dann die Straße in das Tal
verlegt und dort zur Heeresstraße ausgebaut. Die Beschreibung
der "alten Straße" beende ich hier am Bockweg. Im Verlauf der
"neuen Straße" treffen wir später wieder mit diesem Straßenabschnitt
zusammen. Die zweite der vorhin erwähnten Straßen 1ieß SEPTIMIUS
SERVUS in der Zeit von 195 - 211 n.Chr. erbauen und in manchen
Abschnitten neu trassieren. Von der Tiroler Grenze her wurde
die alte Straße überbaut und ab dem Knick am "Burgbergeck" gerade
aus in Richtung der heutigen Pfarrkirche neu trasssiert. Die
Straße mußte damals links der Ortsstraße erhöht verlaufen sein,
denn der heutige Verlauf der Ortsstraße war zur damaligen Zeit
ein Nebenarm der Isar, wie heute noch unschwer in Höhe Kindergarten
und "Gasthaus Römerschanze" zu erkennen ist.
Damals wurde auch an der Engstelle am Burgbergeck" eine befestigte
Römerschanze zwischen dem Nebenarm und dem Burgberg errichtet,
welche heute noch dieser Gegend (a da Schanz) und dem Gasthaus
den Namen gibt. Der Verlauf der Straße ist also links der Ortsstraße
bis hin zum Dekan-Karl-Platz und dem Obermarkt anzunehmen (durch
Baumaßnahmen zerstört). Jener Kaiser SEPTIMUS SEVERUS, unter
dessen Regierungszeit diese Straße gebaut wurde, war ein logistisch
weit- blickender Mann. Er ließ nicht nur diese Straße neu trassieren
und anlegen, sondern auch an geographisch günstigen Stellen
Stationen, Mansionen und Kastelle errichten.
Im Bereich des Obermarktes/Ballenhausgasse mit Zentrum Kirche
muß die in der TABULA PEUTINGERIANA aufgeführte, Station SCARBIA
gewesen sein. Als Beweis habe ich den Ausschnitt der TP nachstehend
aufgeführt, auf welcher SCARBIA 11 röm. Meilen (XI MP)von PARTANUM
in südlicher Richtung aufgeführt ist. Diese 11 röm. Meilen entsprechen
exakt 16,3 km. Das ist die Entfernung entlang der Römerstraße
vom Partenkirchner bis zum Mittenwalder Kirchturm.. Dies hängt
einerseits mit dem einzigen in der Station/ Kastell aus Stein
errichtetem Gebäude und andererseits mit dem Fahnenheiligtum
in diesem Gebäude zusammen. Spätestens also, als diese "neue
Straße" gebaut wurde, kann man die Stationen SCARBIA u. COVELIACAS
und das Kastell PARTANUM annehmen. Dies sind die drei Orte mit
röm. Vergangenheit in unserem Landkreis.
Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang mit den röm. Stützpunkten,
daß diese nach heutigen Gesichtspunkten einen militärischen
Sperrbezirk darstellten. Sogar die kleinste Station hatte einen
Palisadenzaun im Geviert herum und die Wachposten ließen an
den Toren (meist vier) nur Römer und solche mit Erlaubnis des
CENTURIO (Hauptmann und Kommandant) passieren. Die Zivilbevölkerung-
welche sich nach dem Bau eines röm. Stützpunktes meist in der
Nähe ansiedelte (Soldaten zogen immer schon Menschen an um mit
den Soldaten Tauschgeschäfte abzuwickeln. Das älteste Gewerbe
sei hier nicht ausgeschlossen), mußte diesen Ort also umgehen.
Dies werden wir auch später beim Kastell PARTANUM besprechen.
Im Bereich von SCARBIA zweigte diese "Umgehungsstraße" in Höhe
des heutigen Dekan-Karl-Platz zum Pechhüttenweg ab, fahre weiter
in Höhe der Frühlingsstraße - Gries - Goethestraße weiter und
vereinigte sich im Bereich am Anger hinter der ev. Kirche mit
der Römerstraße aus der Station.
Wir aber kehren noch mal zurück zur Station und verlassen auf
der Römerstraße diese etwa am Ende der Ballenhausgasse. Diese
Straße mußte im weiteren Verlauf über den Anger geführt haben.
Ein alter Mittenwalder erzählte mir vor etwa 30 Jahren, daß
beim Bau des Krankenhauses '1928 Teile einer alten Straße zum
Vorschein kamen, aber nicht beachtet und zerstört, wurden (typisch!).
Die Römerstraße ist ab dem vorher erwähnten Punkt im weiteren
Verlauf der Goethestraße (nah am Hang) anzunehmen. Danach befindet
sich die Römerstraße überbaut und zerstört unter der Straßendecke
der B l1 bis zum ehem. Kreidewerk.. Allerdings wußte Eberl im
Jahre 1928 (Begehung vor dem 1. Weltkrieg) noch von einigen
Resten zu berichten. In Höhe des ehem. Kreidewerkes bog die
Straße dann nach Westen in Richtung "Lebensgefahr" ab.
Im unteren Teil ist heute leider nichts mehr zu sehen, da beim
Bau des damaligen Schießplatzes und später , als man daraus
eine Mülldeponie machte, alles verändert und überdeckt wurde.
Nur am westlichen Rand des Müllplatzes ist im Wald noch der
Rest von einer überwachsenen Römerstraße zu sehen, welche allmählich
den Hang ansteigt und in einer Höhe von etwa 930 m NN scharf
nach links abbiegt.
Verschiedentlich wird dieser Straßenabschnitt als Römerstraße
angezweifelt und diese als eine von der "Reichswehr" um 1938
angelegte Militärstraße bezeichnet. Gut, ich streite nicht ab,
daß womöglich dieser Straßenabschnitt kurzzeitig- militärisch
genutzt wurde. Angelegt aber wurde dieses Straßenstück mit Bestimmtheit
schon viel früher. Ich führe hier nochmals Eberl an, welcher
bereits vor dem 1. Weltkrieg (!) diese Straße als Römerstraße
feststellte beging und diese im "Schwäbischen Museum" 1928 beschrieb.
Kehren wir wieder zurück an die Stelle, an der die Römerstraße,
wie vorhin erwähnt, nach links abbiegt. Etwa 20 m weiter in
Richtung zur "Lebensgefahr" habe ich im Frühhjahr 1982 an dieser
Straße bereits einen "Profilschnitt" gegraben und eindeutig
unter etwa 20 bis 30 cm Humus eine zur Mitte gewölbte Kiesschicht
festgestellt, welche auf eine etwa 5 m breite Straße schließen
läßt. Leider wurde der weitere Verlauf dieser Straße durch die
Erosion der Isar, einem Geländeabbruch, genannt die "Lebensgefahr",
total zerstört. Ob diese Zerstörung erst in späterer nachrömischer
Zeit eintrat oder schon früher, läßt sich nicht nachweisen.
Da aber vieles dafür spricht, möchte ich sogar behaupten, daß
dieser Straßenabschnitt schon während der römischen Besatzungszeit,
zumindest im letzten Jahrhundert, zerstört wurde. Zum einen
Mal ist die Straße, durch welche ich den Profilschnitt grub
noch sehr gut erhalten, d.h. wenig befahren worden, zum anderen
Mal gibt es in der Nähe so etwas wie eine "Ersatzstraße", welche
zwar sehr steil ist, aber da- für quasi in der "Diritissima"
den Hang erklimmt und auf dem Plateau wieder mit der Straße
von der Lebensgefahr her zusammentrifft. Diese Ersatzstraße
von damals ist heute noch als zerfahrener und ausgewaschener
Weg sichtbar. Im oberen Teilstück noch Hohlweg, am Plateau als
Feldweg vorhanden.
Kehren wir wieder an die Stelle zurück, an der die Straße durch
den Abbruch der Lebensgefahr zerstört ist. Es mögen gut 200
m sein, welche im Laufe der Zeit in die Tiefe gerissen wurden.
Erst kurz bevor die Straße das Hochplateau erreicht, wird sie
wieder in einem kurzen Stück sichtbar. Zu diesem Straßenabschnitt
vom tiefsten Punkt (Höhe Kreidewerk) bis zum Hochplateau noch
eine interessante Anmerkung. Diese Art der Straßenführung vom
Tal zu einem erhöhten Punkt ist typisch für den römischen Straßenbau.
Eberl erwähnt auch, daß diese Art von Überwindung einer Höhe
im "Terassenbau" an insgesamt drei bekannten Stellen in RALTIEN
vorkommt. Hier an dieser Stelle, bei Grünwald an der Isar und
bei Epfach am Lech.
Am Hochplateau angekommen, ist von der Straße, welche zwar kurz
nach dem Abbruch für einige Meter sichtbar ist, nichts mehr
zu sehen. Einst mußte die Straße ein sumpfiges Gelände durchqueren,
in welchem der schwere Straßenkörper im Laufe der Zeit versank.
Sie verläuft aber in südwestlicher Richtung dem Bockweg entgegen
und trifft dort mit der "alten Straße" zusammen. Ebenso mündet
in unmittelbarer Nähe die vorhin erwähnte steile Ersatzstraße
an dieser Stelle ein. Von hier ab führt dann die Straße in nordwestlicher
Richtung links an einem Heustadel vorbei, fällt ab und zieht
einem Tal entgegen, welches zur damaligen Zeit noch kein "Trockentälchen"'
war wie Eberl meint, sondern einen Ausläufer des Schmalensees
darstellte.
Dieses "Hindernis" wurde von den Römern mittels Brücke überwunden.
Noch heute ist an dieser Stelle deutlich ein Damm zu sehen welcher
davon herrührt, als einst diese altersschwache Brücke in nachrömischer
Zeit einstürzte bzw. zur Seite kippte. An der Ostseite dieses
Tälchens ist auch noch der Straßendamm deutlich zu erkennen.
An dieser Stelle stellte ich schon vor Jahren einen Profilschnitt
her, indem ich einen Graben quer zum Straßenverlauf machte.
Dabei stellte ich verschiedene Schichten Kies fest. Darunter
befanden sich auch Holzstückchen in etwa 45 cm Tiefe., als Reste
der ehemaligen Brückenkonstruktion. Diese Stelle ist heute etwa
300 m nördlich des Eisenbahnviaduktes, rechts der Straße zum
Tonihof zu finden. Nach dieser Brücke ist die Römerstraße in
ihren Ver- lauf noch schwach in der Wiese sichtbar, wo sie sich
allmählich in den Fluren verläuft. Erst kurz vor dem Anstieg
wird sie wieder sichtbar und zieht nach links den Hang hinauf.
Eberl erkannte vor ca. 8o Jahren noch eine weitere Straße, welche
schon vor dem "Linksknick" abzweigte und steil den Hang anstieg,
von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Seinen Angaben
nach, befand sich hier eine "Bifurkation"
Eine Bifurkation ist eine Straßenteilung mit kurz- zeitiger
paralleler Führung und erneutem Zusammenschluß. Ich nehme an,
daß diese Bifurkation von den römischen Straßenbauern geplant
war. Der steile Straßenteil war für abwärts fahrende Fahrzeuge
gedacht und der sanft ansteigende Teil für bergauf fahrende
Wagen. Somit war im Anstieg eine Ausweichmöglichkeit geschaffen.
Aus dieser Verkehrssituation geht hervor, daß zumindest hier
Linksverkehr herrschte. Sollte dies im römischen Imperium üblich
gewesen sein? Dann wäre auch der Linksverkehr in England, der
ehem. Provinz BRITANNIA, als ein konservatives Überbleibsel
zu verstehen. Auf der Höhe angekommen, vereinigen sich nach
etwa l00 m beide Straßenteile wieder. Danach zog die Straße
nach Westen Über eine Wiese, auf welcher die Römerstraße durch
den damaligen Reichsarbeitsdienst (RAD) total zerstört wurde.
Diese Zerstörung traf die Römerstraße im gesamten Gebiet mit
wenigen Ausnahmen. Erst nach dem Feldweg, welcher von der Staatsstraße
zu den Buckelwiesen führt, war die Römerstraße bis zum Jahre
1087 als ein sehr schöner und gut erhaltenen Damm auf einer
Länge von gut l00 m zu sehen. Bei einer Nacht- und Nebelaktion
wurden durch den Grundbesitzer etwa 60 m dieser Straße anplaniert
und somit zerstört. Im weiteren Verlauf zieht die Römerstraße
in nordwestlicher Richtung und geht in einen Hohlweg über. Der
weitere Verlauf wurde beim Bau der Eisenbahnlinie und bei der
Neuanlage der Staatsstraße total zerstört und überbaut. An manchen
Stellen ist sie noch schwach als dammartiger Straßenrand zu
erkennen. Erst am Straßenpunkt 941 wird die Römerstraße wieder
als Feldweg sichtbar. |
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| Ab
hier verläuft sie den parallelen Verlauf von Staatsstraße und
Eisenbahn und biegt nach Westen ab. Es handelt sich um einen
Feldweg, der die dammartig angelegte Römerstraße bis zum sogenannten
"Stich" erkennen läßt. Eine Frage taucht plötzlich auf: warum
der heute noch hohe Damm und der leichte Bogen zum Stich? Geradeaus
über die vorhandene Wiese wäre es doch einfacher gewesen. Heute
ist es eine Wiese, aber was war es vor 1800 Jahren? Die Gegend
wird "Gwicken" oder "Gewicken" genannt. Der Name soll etwas
"Nasses" bedeuten und ein alter Mittenwalder erzählte mir auch
hier vor mehr als 30 Jahren, daß hier einmal ein -großer See
war. Aha, deshalb diesr hohe Straßendamm und der Weg zum Stich.
Der Stich selbst ist ein stark zerfahrener Hohlweg mit einer
zweiten Spur zur linken Seite. Es muß in früheren Zeiten einmal
eine Verlegung, der Fahrspur stattgefunden haben. Die linke
Spur ist nicht so tief eingeschnitten als die rechte z.Zt. noch
als Feldweg benutzte Spur. Nach diesem "Stich" ist die Römerstraße
unter dem Feldweg anzunehmen und zieht dem Kranzbach entgegen.
Kurz vor dem Kranzbach macht die Römerstraße erneut einen Knick
und zwar nach Norden. Ab hier wird die Römerstraße als "Geleisestraße"
sichtbar. Sie zeigt sich auf einer Länge von etwa 180 m rechts
des Kranzbaches. Die Straße macht zwar einen stark zerfahrenen
Eindruck, da sie noch bis ins Mittelalter frequentiert wurde.
Es sind tief eingeschnittene Fahrrillen zu sehen, über deren
Herkunft Unklarheit besteht. Sind sie von den Römern in den
Stein geschlagen worden, oder im Laufe der Jahrhunderte entstanden?
Hier dürfte aber beides zutreffen, erst der manuelle Einschlag
um die Spur im Gefälle zu halten und später bremsten sich die
Räder in den Stein. Diese eingebremsten Rillen sind teilweise
bis zu 20 cm tief. Die weiteren Maße der Geleisestraße sind:
Äußere Weite: 130 cm auf der gesamten Länge auf der gesamten
Länge Innere Weite: 95 cm auf der gesamten Länge auf der gesamten
Länge Mittlere Weite: 107 cm Am nördlichen Ende dieser Straße
verschwinden die Geleisespuren gänzlich.
Über den Kranzbach hat sie mit Sicherheit mittels Brücke geführt.
Im weiteren Verlauf ist sie ab dem Kranzbachübergang die ersten
Meter unter der Straße Klais-Elmau anzunehmen, danach links
der Straße unter den Gärten und Häusern mit grober Richtung
zur Kapelle in Klais - . Diese Annahme bestätigte mir ein Einheimischer
aus Klais, der bei einer Baumaßnahme in diesem Bereich in etwa
0,5 m Tiefe Straßenreste fand.
Im Ga-Pa-Tagblatt vom 15.05.1952 wird berichtet, daß beim Verlegen
von Wasserleitungen zwischen dem Bahnhofskiosk und der Straße
nach Elmau in 90 cm Tiefe ein Knüppeldamm mit einer Breite von
6 m gefunden wurde. Die Fichtenstämme von '15 - 20 cm Durchmesser
trugen deutlich 4 - 5 cm breite ausgehöhlte Radspuren. Die gesamte
Breite dieses Knüppeldammes aufzudecken war damals nicht möglich,
weil die entsprechende Zeit fehlte. Es wurden auch keine Archäologen
zugezogen, um wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. |
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| An
der Kapelle von Klais machte die Römerstraße einen Bogen nach
links und ist im Verlauf der Ortsstraße in Richtung Bahnhof
anzunehmen.. Im Verlauf dieser Ortsstraße, welche vor Jahren
noch als Bundesstraße die Bahnlinie überquerte, führte einst"
die Römerstraße in Richtung "Sonnenhof". Sie blieb hier meist
hart am rechten Rand des Tales und verlief in nordwestlicher
Richtung weiter nach Gerold. Der Grund weshalb diese Straße
so äußerst rechts geführt wurde, war ein See zur Linken, welcher
sich etwa von kurz vor bis nach dem Straßenkilometer l04 ausdehnte.
In sehr alten Karten ist dieser See noch als "Wildenanger Weyer"
eingezeichnet. Leider ist dieser See heute verlandet. Ein Beweis
mehr, für die rasche Vergänglichkeit markanter geographischer
Punkte. Entlang- dieses einstigen Sees führte die Römerstraße
zwischen der Bahnlinie und der Bundesstraße.
Dammartige Erhöhungen sind hier noch schwach vorhanden. Bei
Km. 103 wird die Römerstraße wieder als Hohlweg, flankiert von
Haselnußsträuchern sichtbar. Sie steigt zur Bundesstraße an
und verläuft unter derselben ca. 50 m und schwenkt dann nach
rechts leicht ansteigend in Richtung, Gerold. Der Straßenkörper
ist, hier etwa. 10 m sichtbar bis dieser in einen Hohlweg übergeht.
Als Begleiterscheinung unserer Zeit ist dieser Hohlweg mit Kulturmüll
aufgefüllt (Privatgrundstück) Im weiteren Verlauf zieht die
Römerstraße durch den Weiler Gerold und dann weiter zur Engstelle
des Plattele.
Durch Gerold ist sie im Verlauf der Straße anzunehmen, ebenso
zeugt der. westliche Teil mit seiner dammartigen und geraden
Führung noch von seiner römischen Vorgängerin. Am -Plattele
führte die Römerstraße eindeutig durch diese Engstelle, da weder
links Über den Hirschbichel, noch rechts durch den Güttlegraben
eine bessere Möglichkeit vorhanden war. Die römischen Straßenbauer
blieben lieber im Tal und mieden die Höhen. Leider ließ der
Eisenbahn- und Straßenbau an dieser Stelle nichts mehr von der
Römerstraße übrig. Nach dem "Plattele" ist die Römerstraße größtenteils
durch die Bundesstraße überdeckt und führt mit dieser identisch
(nur geringe Abweichungen) zum Weiler Kaltenbrunn. Durch Kaltenbrunn
führte die Römerstraße rechts der Bundesstraße, da auf der Wiese
zwischen Wald und dem Gasthaus schwache Spuren sichtbar sind.
Erst nach Kaltenbrunn sind rechts der B2 schwache Spuren der
Römer- und Rottstaße vorhanden gewesen.
Leider wurde im Jahre 1991 über diese Straße ,ein schonender
Asphaltbelag darüber gelegt, welcher als Teil eines Radweges
dient. Auch eine Form, mittels Asphalt die Römerstraße zu konservieren.
Der weitere Verlauf der Straßen (Römer- u. Rottstraße) ist links
der B2 und zwar ab der Abzweigung des Weges nach Wamberg anzunehmen.
Sie tangiert hier die B2 und führt weiter in eine Senke abfallend.
Ab hier führte auch die alte B2 zu dieser Senke (sichtbar und
begehbar). Nach einigen l00 m bog dann die Römerstraße nach
rechts ab und stieg den Hang an. Heute noch identisch mit der
Straße nach Höfle und Schlatan. An der folgenden Wegegabel (Partenkirchen
- Schlatan) erreichte die Römerstraße den Höchsten Punkt mit
etwa 900 m. Anschließend fällt die Römerstraße wieder ab bis
auf die Höhe der heutigen Vogelschutzwarte (alte Gsteigstraße).
Entlang dieser alten Gsteigstraße finden wir viele dammartige
Reste der Römerstraße. Eberl bezeichnet diese Dammreste, besonders
die 550 m westlich der Straßengabel nach Schlatan, als besonders
deutlich und gut erhalten. Diese Feststellung des Herrn Eberl
stimmt heute fast noch.. Im weiteren Verlauf bis zur Vogelschutzwarte
sind, außer den vorhin erwähnten Dammresten, keine verwertbaren
Spuren mehr vorhanden.
Nach der Vogelschutzwarte fällt die Römerstraße weiter ins Tal
ab. Vorher ist noch eine Straßengabel zu erwähnen. Hier muß
schon zur Römerzeit die bei Mittenwald erwähnte Umgehungsstraße"
des Kastells abgezweigt haben. Die gerade Straßenführung und
die "Durchstiche" lassen in der Trassenführung auf römische
Bauweise schließen. Diese Straße führte einerseits zur Siedlung
im Bereich de--Hasentales, andererseits umging man großzügig
das Kastell. Kehren wir aber wieder zur vorhin erwähnten Straßengabel
zurück und verfolgen die Römerstraße weiter in Richtung Partenkirchen.
Sie fällt ab der Vogelschutzwarte ab und ist mit der Gsteigstraße
zum Teil trassengleich. Vereinzelt sind noch Hohlwegspuren der
Rott- und der älteren Römerstraße zu erkennen. Kurz bevor die
Straße das Tal erreicht, macht sie noch einen Knick nach rechts
und geht dann im Tal beim sogenannten "Riedeck" in die Ludwigstraße
über. In Höhe des Gasthauses "Fraundorfer" macht die Ludwigstraße
einen Knick nach links" die Römerstraße muß aber gerade in Richtung
der heutigen Kirche geführt haben. Ich vermute, daß es auch
hier, wie in Mittenwald zutrifft, daß der Mittelpunkt des Kastell.,
dort zu suchen ist, wo die Pfarrkirche von Partenkirchen steht.
Die vorhin bei SCARBIA/Mittenwald erwähnte Theorie Fahnenheiligtum
- Kirche kann auch für PARTANUM/Partenkirchen angewandt werden..
Es wurde zwar noch nie so tief im Kirchenbereich gegraben um
die nötigen Belege zu liefern. Infrarotaufnahmen scheiden hier
ebenfalls aus, weil die "Objekte" zu -tief liegen. Die Geröllablagerungen
des Fauken haben nach der Römerherrschaft diese Stätte mit bis
zu 7 m hohen Faukenschutt überdeckt. Diese Geröllmassen kann
man heute noch recht gut sehen. Sie beginnen etwa bei der St.
Sebastians-Kapelle, lassen die Ludwigstraße ansteigen und ziehen
sich wellenförmig bis zum G'steig hin.- Der höchste'Punkt dieser
Auf schuttung ist etwa am Floriansplatz und verläuft sanft abfallend
zur Kanker.
Wir wollen aber wieder zum Mittelpunkt des alten. PART!ANUM
zurückkehren und -uns mit der Lage des ehemaligen römischen
Kastells befassen Nimmt man nun die Kirche von Partenkirchen
als Kastellmitte und eine Kastellgröße (mittlerer Wert) von
etwa 150 m x 220 m an, dann hätte das Kastell folgende Ausdehnung
gehabt: Im Norden etwa bis zur Sonnenbergstraße im Süden etwa
bis auf die Höhe "Gaststätte Frauendorfer" im Westen etwa bis
hinter das Werdenfelser Museum und im Osten bis dorthin, wo
die Ballengasse den ersten Knick macht. Denkt man sich diesen
Knick fort und verlängert diese Straße in geraden Richtung zur
Kirche, so hat man schon die Verbindungsstraße zwischen dem
Kastell (PORTA DEXTRA = rechtes Tor) und der Siedlung im Bereich
Fauken/Hasentall. Im Westen -würde der Anfang der Badgasse die
Straße zwischen dem PORTA SINISTRA = linkes Tor und den Bäderanlanlagen
an der Kanker darstellen. Bei der Bezeichnung der Tore gingen
die Römer davon aus, daß sich das feindwärts gelegene Tor, das
PORTA PRAETORIA immer in nördlicher Richtung befand. Dieses
ist im Bereich der Sonnenbergstraße zu suchen (angeblichen Mauerfund
in den 20'er Jahren) und das PORTA DECUMANA = rückwärtiges Tor,
im Süden in der Gegend um "Gaststätte Fraundorfer" anzunehmen.
Dies sind allerdings nur Vermutungen, quasi Umlegungen vergleichbarer
Kastellgrößen auf das Kastell PARTANUM. Dies könnte durchaus
den geografischen Verhältnissen entsprechen, da- auch die Entfernungsangsben
der TABULA PEUTINGERIANA nach SCAPBIA/Mittenwald mit 11 MP =
16,2 km gemessen am Verlauf der Römerstraße exakt stimmen. Beweise
allerdings könnten nur durch tiefe Grabungen, evtl. bei Bauarbeiten
und vor allen durch die Mitarbeit der Bevölkerung: (Melden von
Funden) erbracht werden. Begeben wir uns wieder zurück zum Verlauf
der Römerstraße. Am -PORTA PRAETORIA; welches an der Sonnenbergstraße
in Höhe der Pfarrgasse vermutet wird, hat die Römerstraße das
Kastell verlassen und zog- in fast gerader Richtung zum Hölzlweg.
Bevor wir aber gedanklich weiter gehen, noch zurück zur sogenannten
Umgehungssstraße,. welche nach der Vogelschutzwarte abzweigt.
Diese führte einst zur Siedlung im Hasental, bog aber um das
Kastell herum, etwa Hasentalstraße - Faukenstraße - Floriansplatz
- Sonnenbergstraße - Hölzleweg. Ab Einmündung Forsterweg" endete
diese Umgehungsstraße.
Die Römerstraße ist im Verlauf' des Hölzleweges anzunehmen und
vor Einmündung in die Münchnerstraße hart am Hangfuß des Wankkausläufers
zu suchen. Schwache Spuren sind noch vorhanden, große Teile
der alten Straße wurden erst kürzlich bei der Neueinbettung
des Baches zerstört. Weiter zog die Römerstraße immer noch am
Hang bleibend in Richtung Friedhof , bog dann nach rechts ab
und verlief in fast nördl. Richtung durch die Wiese mit Feldkreuz
(ehem. Galgen),unter dem Polizeigebäude hinweg noch weiter am
Hang bleibend. Nach dem "Brünnl" zog, sie denn etwas nach links
und ist im Verlauf der alten Straße (heute durch Straßenspinne
zerstört, aber auf alten Karten sichtbar) und der Partenkirchenerstraße
nach Farchant anzunehmen.
Der Brückenschlag muß zur Römer- zeit etwas links der heutigen
Brücke gewesen sein. Etwa 8oo m nördl. der Brücke ist die Straße
unter dem Bahnkörper anzunehmen, unter dem sie bis fast vor
Oberau, im Wechsel mit der Straße liegt. Die gerade Linienführung
und der solide Unterbau der Römerstraße mögen die Planer und
Eisenbahnbauer dazu animiert haben, Teile dieser Straße für
ihre Zwecke nutzbar zu machen. Von Oberau bis Eschenlohe ist
von der Römerstraße, von schwachen Spuren abgesehen, fast nichts
mehr zu sehen. Sie liegt in diesem Abschnitt ebenfalls wieder
unter der Bundesstraße bzw. dem Bahnkörper.
Bevor dieser Straßenteil von Oberau nach Eschenlohe durch SEPTIMIUS
SEVERUS erbaut wurde, nehme ich an daß der alte Saumpfad durch
das Katzental nach Plaiken als Römerstraße ausgebaut und benutzt
wurde. |
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| Die
neue Straße des SEPTIMIUS SEVERUS bog vor Eschenlohe um den
"Vestbühl" herum und zog dann durch das Moor in Richtung Schwaigen',
wo sie sich mit der vorhin erwähnten alten Straße vom Katzental
her kommend, wieder traf. Die Straße durch das "Moos" wurde
von den Römern mit Sicherheit als hoher Damm gebaut, um das
Wasser des damaligen Stausees der Loisach abzuhalten, wodurch
dann das Gebiet um Plaiken/Schwaigen trocken blieb.
Alten Überlieferungen zufolge, standen an diesen Hängen römische
Gutshöfe. Nur Grabungen und Infrarotaufnahmen könnten hier Beweise
liefern. Die Straße von Eschenlohe nach Schwaigen hatte allerdings
keine lange Lebensdauer. Im Laufe der Jahrhunderte ist sie durch
das enorme Eigengewicht im Moosboden versunken. 1935 wurden
Teile davon in 2 - 3 m Tiefe freigelegt, ebenso 1996/97. Der
weitere Verlauf der Römerstraße fiihrte in Richtung Grafenaschau,
mit einer Abzweigung zum befestigten Stützpunkt auf dem Moosberg,
(Steinbruch - zerstört). Ab Grafenaschau führte sie auf den,
dem See vorgelegten Höhenrücken, um auf diesem in östlicher
Richtung nach Murnau zu ziehen.
Eine Straße in westlicher Richtung nach Bad Kohlgrub und Bad
Bayersoiern wird als Verbindungsstraße zur VIA CLAUDIA angenommen.
Vor Murnau bog die Römerstraße dann nordwärts, um in Höhe des
heutigen Bahnhofs zur Halbinsel Buchau/Wörth abzuzweigen. Beim
Bau der Bahnanlagen wurden damals alle Spuren dieser Abzweigung
zerstört.
Auf der Insel Wörth im Staffelsee kann sich nach meinen Berechnungen
das römische COVELIACAS befunden haben. Zur Zeit sind zwar noch
Grabungen im Gange. die aber noch nichts konkretes erbrachten.
Entfernungsmäßig kommt man mit ca. 59,5 MP = ca. 88 km ab AUGUSTA
auf die Insel Wörth hin. Der weitere Verlauf der Römerstraße
ist wieder im Verlauf der Bahnlinie an Riedhausen vorbei, durch
den Standort Übungsplatz der Bundeswehr hindurch, in Richtung
Eglfing anzunehmen. Eberl erwähnt in der Beschreibung dieses
Abschnittes nur überackerte Spuren der Römerstraße, von denen
heute fast nichts mehr zu sehen ist. Nach der Landkreisgrenze
verlief die Römerstraße über Weilheim - Raisting (URUSA) - Dieüen
- Geltendorf - Mehring- der Haupttstadt AUGUSTA VINDELICUM entgegnen
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Ergänzend sei noch gesagt, daß die meisten Teile der Römerstraße
im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nur zwischen Mittenwald-Nord
und Gerold noch relativ gut erhalten zu sehen sind. Nur in diesem
Bereich ist der genaue Verlauf der Straße zu verfolgen. Ab Gerold
bis Partenkirchen sind noch wenige Teile vorhanden, teils stark
zerstört und überbaut, lassen sie noch den Verlauf erkennen.
Ab Partenkirchen war ich größtenteils auf alte Aufzeichnungen
(z.B. Eberl) angewiesen. Die Grabungen auf der Insel Wörth lassen
allerdings noch einiges erhoffen.
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| Willy
Hochholdinger-Partenkirchen
Telefon 0 88 21 - 5 21 51
Meißenstraße 6
82467 Garmisch-Partenkirchen |
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