Via Raetia

von Willy Hochholdinger - Partenkirchen
   

Allgemeine Einleitung

Im 4. Jahrhundert v.Chr., als die blühende griechische Kultur zerfiel, war im damaligen Italien eine politische Einigung im Gange. Eine Einigung mit verschiedenen Stämmen, welche das spätere Weltreich der "Römer' entstehen ließ. Ein Weltreich, wovon die Griechen und Spartaner nur träumen konnten. Doch bevor es soweit war, müssen wir das Rad der Zeit um 400 Jahre zurückdrehen.
Zu dieser Zeit, etwa 8oo v.Chr., erschien an der Westküste Mittelitaliens ein Volk, welches sich dort niederließ und sich in das Landesinnere bis zum Po und zur Adria ausbreitete. Es waren die Etrusker! Sie drängten die Ureinwohner des Landes, die Ligurer, Illjrer und Italiker zurück, teils nahmen sie diese gefangen und machten sie zu Sklaven. Das muß der Zeitpunkt gewesen sein, wo Illyrer und Italiker nach Norden flüchteten und in unserer Gegend auftauchten und seßhaft wurden.
Woher diese Etrusker stammten, ist nicht mehr sicher zu sagen, womöglich kamen sie aus dem Orient. Die Etrusker nannten sich selbst RASNA oder RASENA, die Griechen bezeichneten dieses Volk nach dem sagen- haften Sohn des Lyderkönigs Tyrrhenos als TYRRHENER. Die Griechen nannten sie auch manchmal TYRSENER, man vermutet nach dem Heros Tyrsenos aus Mysien, einem Sohn der Telephos und somit einem Enkel des Herakles. Meines Erachtens. kommt hier die erste Version der Wahrheit am nächsten, denn auch nach der Sage (Sagen enthalten ja immer ein Körnchen Wahrheit) hat eine Hungersnot in Lydien einen Teil der Bevölkerung unter dem Königssohn TIRRHENOS zur Auswanderung gezwungen.

Vermutlich haben große Völkerverschiebungen in Kleinasien dazu geführt, daß um 1000 v.Chr. viele Menschen per Schiff ihre Heimat verließen und über Umwege, später an der Westküste Italiens landeten. Spätestens im 8. Jahrhundert v.Chr. müßte dann diese Wanderung beendet gewesen sein, denn von dieser Zeit ab, entstanden die ersten Mittelpunkte etruskischer Kultur in TARQUINIA und CAERE. Durch die spätere enge Beziehung mit Phönikiern und Griechen vermischten sich die kulturellen Grundzüge der lydischen Ursprungskultur und nahm völlig neue Formen an. Durch Ausgrabungen erhielt man doch wenigstens ein anschauliches Bild über ihr Leben und ihre Gewohnheiten des 6. bis 3. Jahrhunderts v.Chr. Im 5. und 4. Jahrhundert war das etruskische Reich mehr ein Bund vieler großer Städte, darunter etliche Seehäfen. Der etruskische Stamm bildete die Oberschicht und lebte in den Städten, u.a. auch in Rom. Diese Stadt wurde von den Etruskern zwischen 814 bis 729 v.Chr. gegründet. Die Macht des etruskischen Städtebundes verlagerte sich dann im Laufe der Zeit immer mehr auf Rom und ließ sie auch zum Mittelpunkt entstehen.
Von Rom aus entstand dann auch das römische Weltreich. Die Bezeichnung 'Römer", welche ursprünglich nur für die Bewohner Roms galt, wurde später auf alle Angehörigen des römischen Reiches betragen. Die ersten "Kaiser" dieses Reiches waren noch Etrusker, später aber regierte dann andere "Römer". Man sprach dann nur mehr von den Römern allgemein. Keiner sprach mehr von den Etruskern oder bezeichnete sich als solcher. Es gab nur mehr Römer und einen Staatenverband der Römer. Ein Reich welches sich innerhalb einiger Jahrhunderte zu einem riesigen Imperium entwickelte.

Zur Zeit des Kaisers Trajan, von 98 bis 117 n.Chr. erreichte dieses Imperium seine größte Ausdehnung. Es reichte von Schottland bis zur Sahara und von Spanien bis Mesopotamien. Nach dieser Zeit aber begann das Imperium zu zerbrechen. Die Feinde von außen und von innen trugen dazu bei. Im Norden und Westen waren es germanische und keltische Stämme (Gallier), welche unaufhaltsam gegen den Limes rannten und diesen auch Überschritten. Das einst große Reich begann zu schrumpfen und im Jahre 395 n.Chr. zerbrach es in zwei Teile. Es gab von diesem Zeitpunkt ein west- und ein oströmisches Reich.. Als erstes Teilreich zerfiel das oströmische Reich- im 5. Jahrhundert n.Chr. Das oströmische Reich, von Byzanz regiert, existierte bis zum Jahre 1453.

   

Die militärische Präsenz in RAETIEN

Die nachstehenden Zeilen über die militärische Präsenz im damaligen RAETIEN behandeln den Zeitraum zwischen 200 und 300 n.Chr. Die Hauptmacht der römischen Streitkräfte befand sich zur damaligen Zeit entlang der Nordgrenze. Zwischen Kehlheim und Passau war die Donau (DANUVIS) die Staatsgrenze und zugleich Verteidigungslinie nach Germanien. Westlich davon, zog sich der Limes, später dann Teufelsmauer genannt, als Verteidigungswall entlang der Grenze in nordwestlicher Richtung.
Dieser "Wall" wurde um 70 n.Chr. unter VESPESIAN errichtet und stellte auf einer Länge von ca. 166 km (nur raetischer Limes!) einen Schutz gegen die Germanen dar. Die gesamte Provinz RAETIEIN reichte vom Bodensee bis zum Inn und unterteilte sich in RAETIA PRIMA (südlicher Teil) und in RAETIA SECUNDA (nördlicher Teil). Zum Schutz dieses Gebietes standen damals etwa l0 bis 12 000 Mann (etwa 20 Kohorten - 2 Legionen) zur Verfügung. Für heutige Verhältnisse eine relativ geringe Anzahl Soldaten welche aber damals voll ausreichte, da das gesamte Gebiet sehr dünn besiedelt war. Von diesen Soldaten waren etwa 2/3 (ca. 8 000 Mann - 14 Kohorten) entlang der Nordgrenze eingesetzt. Der "Stab" und Sitz des Legaten war in AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg). Dieser Legat war zugleich Legionskommandeur der in RAETIEN eingesetzten III. italischen Legion und politischer-Statthalter der Provinz. Später wurde dieses Amt geteilt. Der zivile Verwaltungsbeamte hieß PRAESES, der militärische Oberbefehlshaber hieß DUX. Außer AGUSTA VINDELICUM, waren CASTRA REGINA (Regensburg), CASTRA BATAVIA (1-assau-Altstadt) und EF,RVIODGRUM (Straubing) wichtige Garnisionsstädte. Weitere wichtige Kastelle waren u.a. in ABUSINA (Eining) und VALLATUM (b. Manching), wo z.B. eine ganze ALA (Reiterkorps) lag.
Der Rest der Soldaten verteilte sich innerhalb RAETIEN als Schutz- und Versorgungstruppen. Diese Angeben entstammen dem "Regensburger Militärdiplom", eine in Regensburg gefundene Aufzeichnung. Der FRÄFEKT des Legaten hatte für die Versorgung dieser Truppen in FOETES (Füssen) sein Hauptquartier. Zu seiner Verfügung waren die Kohorten in den Kastellen CAMBODUNUM (Kempten) und VISMANIA (nähe Isny) mit je ca. 500 bis 600 Mann stationiert. Diese waren Teile der III. italischen Legion. Eine weitere Kohorte für die Versorgung und für Nachrichtenübermittlung lag in TERIOLIE (Zirl). TERIOLIS war mehr eine Versorgungs- und Nachrichtenverteilerstelle der Hauptstadt Rom und der Versorgungszentrale TRIENTO. In der unmittelbaren Nähe von TERIOLIS befand sich auch die Straßenkreuzung, von welcher die Straßen ab VELDIDENA (Wilten/Innsbruck) in verschiedene Richtungen führten.

   
Nach Osten den Inn (AENUS) entlang über MASCIANO (Schwaz) - ALBIANO (Raum Wörgl) in die Provinz NORICUM.
Nach Norden über TERIOLIS (Zirl) - SCARBIA (Mittenwald) mit dem Floßhafen CARINA (Krün) - PARTHANUM (Partenkirchen) und weiter über COVELIACAS (Insel Wörth) zur Hauptstadt AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg).
Nach Westen über TERIOLIS und über die Querverbindungsstraße VIA DECIA zur VIA CLAUDIA und weiter nach FOETES (Füssen).
Eine weitere Straße den Inn in westlicher Richtung zur VIA CLAUDIA wird angenommen.
Nach Süden oder besser von Süden kommend, die Straße über den Brenner aus dem Mutterland.
   
Die Römerstraße von Italien nach Augsburg Straßenbau wurde bei den Römern sehr aktiv betrieben. Die Devise der Römer lautete. "Mit Schwert und Schaufel Länder erobern". Dies war aber nur möglich, indem jeder Legionär nicht nur ein guter Soldat, sondern auch ein guter Straßenbauer sein mußte. Schwert und Schaufel mußte also jeder führen können. Nur so war es möglich, mit jedem Vorstoß in ein fremdes Land, sofort Straßen und Befestigungsanlagen (Schanzen, Kastelle usw.) zu errichten. Abgesehen vom logistischen und militärischen Standpunkt, sich dadurch Nachschub und auch Rückzugswege zu schaffen, wurde automatisch jedes eroberte Land an das "einheimische Straßennetz" und zugleich an das "Mutterland" angeschlossen.
Allerdings stellten vorerst im Norden die Alpen eine fast unüberwindliche Barriere dar, welche erst zu überwinden war. Neben den natürlichen Hindernissen (Hochgebirge), waren noch die wilden Bergbewohner, jene "raublustigen" RAETER zu überwinden. Dies scheiterte anfangs. Erst z.Zt. des Kaiser Augustus, als DRUSUS sich im raetischen Krieg (15 v.Chr.) den Brennerübergang erkämpfte und sich diese RAETER untertänig machte, stießen die römischen Legionen in drei Hauptrichtungen in den Alpenraum vor.
Somit wurde der Weg nach Norden frei. Die drei Hauptrichtungen waren: a) Über Finstermünz und dem Fernpass über FOETES (Füssen) nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg). Diese Straße hieß: VIA CLAUDIA AUGUSTA. Zu deutsch; Straße. des Nero Claudius Drusus nach Augsburg. b) Über den Brenner und dann weiter nach Norden aber TERIOLIS (Zirl), SCARBIA (Mittenwald), PARTANUM (Partenkirchen), Über COVELIACAS (vermutl. Insel Wörth im Staffelsee) und weiter nach Augsburg. Diese Straße nennt man: VIA RAETIA. e) Über den Brennerpaß und dann östlich durch das Inntal nach PONS RAETIA (nördl. Rosenheim). .Entlang dieser Straßen wurden überall Kastelle" Schanzen, Mansiones und Siedlungen errichtet. Die meisten dieser Straßen in nördlicher Richtung fiihrten direkt oder über Umwege zum Straßenknotenpunkt und zur Hauptstadt RAETIENS nach AUGUSTA VINDELICUM.
   
Wenden wir uns zunächst der ersten dieser römischen Heerstraßen zu, welche von DRUSUS im raetischen Krieg angelegt wurde, der späteren VIA CLAUDIA AUGUSTA.
Diese Straße führte, von Rom kommend, über VERONA, PONS DRUSI (bei Bozen) und STATIO MAIENSIS (Meran), durch den Vintschgau und wie schon vorhin erwähnt, weiter über Finstermünz - Fernpass - FOETES (Füssen) nach AUGUSTA VINDELICUM (Augsburg). Später wurde diese Straße von Claudius, dem Sohn des Drusus, im Jahre 15 n.Chr. zur Heerstraße ausgebaut, daher der Name VIA CLAUDIA AUGUSTA d.h. Straße des Claudius nach Augsburg. Zur gleichen Zeit führte schon über den Brenner und dem Seefelder Sattel eine einfache Gebirgsstraße (Saumpfad), welche später in den Jahren 195 bis 211 n. Chr. von SEPTIMIUS SERVERUS durch Brückenbauten und Wasserregulierungen zur wichtigsten Heerstraße ausgebaut wurde und der VIA CLAUDIA den Rang ablief. Diese neue Straße stellte nach Fertigstellung die kürzeste Verbindung von VERONA nach AUGUSTA VINDELICUM über eine Entfernung von 430 km dar. Sie wurde die Hauptverkehrsader zwischen dem römischen Mutterland und der Provinz RAETIEN. Nach der Peutingertafel (TABULA PEUTINGERIANA) führte diese Straße von Süden kommende über VIPITENO (Sterzing) - MATREIO (Matrei/Brenner) VELDIDENO (Wilten/Innsbruck) - TERIOLIS (Zirl) SCARBIA (Mittenwald) - IARTHANUM (Partenkirchen) - COVELIACAS (Insel Wörth) - AVODIACO (Epfach) nach AUGUSTA VINDELIGUM (Augsburg). Die Peutingertatel (PT) ist nächste Seite zu sehen. Diese Straße ist für uns insofern von Bedeutung, da sie durch ein Gebiet führte, welches heute unsere Heimat ist. Mit diesem Straßenabschnitt durch das Werdenfelser Land, wollen wir uns auf den nächsten Seiten befassen.
   

Die Römerstraße durch Werdenfels

Wir befinden uns am Ausgangspunkt unserer geistigen Wanderung entlang der Römerstraße im Süden an der Grenze zwischen Bayern und Tirol. Man stelle sich die hochwasserführende Isar zur linken und die Lawinen- und Murenträchtigen Berge zur Rechten der Straße vor. Ein Gebiet also, welches damals den kulturgewohnten Stadtrömer nicht recht zum Verweilen verlockte. So ist es auch zu verstehen, daß die damaligen Erbauer dieser Straße sich zwar näher an den Fluß, der Orientierung wegen, heranwagten, sich aber voll Respekt vom mächtigen Berg mit seinen Schnee- und Steinabgängen fernhielten. Die Straße wurde also, nachdem diese im jetzigen Ort Scharnitz (den es damals noch nicht gab) die Isar überquert hat, am rechten Flußufer entlang erbaut. Es war mehr eine Überbauung eines schon vorhandenen Saumpfades. Dieser führte, laut Überlieferung, schon vor der Eroberung RAETIENS über den Brenner und dem Seefelder Sattel in unsere Gegend. Diese Überbauung erfolgte zwischen 195 bis 210 n.Chr. durch SEPTIMIUS SEVERUS, der die gesamte Straße während seiner Regierungszeit zur Heerstraße ausbauen ließ. Da aber in diesem Gebiet der Raum zwischen Berg und Fluß sehr knapp war, behielt man die Urtrasse in etwa bei und überbaute sie nur.
Allerdings ist von dieser Straße nur sehr wenig übrig geblieben Sie wurde nach der Römerherrschaft immer weiter benutzt und später im Mittelalter zur Rottstraße erneut überbaut. Grund für diese erneute Überbauung und Weiterbenutzung war eindeutig die solide Konstruktion der Grundtrasse. Diese Straße war für damalige Verhältnisse von den römischen Straßenbauern so perfekt aufgebaut, daß sie mehrere Jahrhunderte ohne größere Reparaturen benutzt werden konnte.
Ein weiterer Grund für die Weiterbenutzung ist in der geraden Linienführung ohne große Umwege zu suchen. In unserem Bereich haben dann noch die späteren Uferbebauungen und die Einwirkungen der Naturgewalten das -übrig gelassen, was wir heute noch zwischen der Landes- und der Kreisgrenze sehen können: Sehr wenig ! Der Verlauf der Straße ist aber in diesem Bereich so- weit gesichert und dank alter Straßenkarten und Straßenbeschreibungen auch in der groben Richtung bekannt. Was ist aber nun tatsächlich noch zu sehen? Gleich nach der Grenze ist nichts mehr vorhanden. Erst in Höhe "Brunnsteineck" sind noch vereinzelt schwache Spuren der Rottstraße sichtbar, die wiederum überbaute Römerstraßenteile sein können. Im weiteren Verlauf , etwa in Höhe des "Schwarzwaldes" sind noch Hohlwegspuren. Römerstraße ? Danach ist die Römerstraße unter der Bundesstraße anzunehmen. Dies vermutete auch schon Eberl vor 1910, als er diese Straße beging. Allerdings hat er damals noch etwas mehr gesehen, denn er schreibt in seiner Abhandlung im "Das schwäbische Museum" folgendes: "Von der Isarbrücke (Mühlbrücke) südwärts liegt die Römerstraße wohl unter der Staatsstraße. Ohne Spur. g730 m südlich der Brücke beginnt an der Waldgrenze, l0 m östlich der Staatsstraße, ein schöner 6 m breiter Damm, der sich längs einer Isartrasse hinzieht und in seinem südlichem Teile zerfahren, nach 300 m wieder an der Staatsstraße endet." Dies trifft in etwa auf die vorhin erwähnte Stelle zu. Erst in Höhe der Wörthbrücke verläßt die Römer- bzw. Rottstraße die Bundesstraße und ist im Verlauf der Riedkopfstraße anzunehmen.
Durch die spätere Bebauung ist leider alles zerstört worden. Derjenige, der dieses Gebiet noch vor der Bebauung kannte, wird sich noch an die Straßenreste (Hohlwege) erinnern.

   
Ich hatte als Junge noch das Glück, diesen Straßenabschnitt inmitten von Weiden und sonstigem Gehölz begehen zu können. Es muß 1947 gewesen sein, als ich hier ein kleines verwittertes Scheibchen fand, welches sich nach Reinigung als Silbermünze von 1637 herausstellte. Ein Zeichen, daß hier die Rottstraße entlang führte, was dem Verlauf entsprechend, nur die überbaute Römerstraße sein konnte. Schade daß dieser Teil der Römer- und Rottstraße, zwischen der Wörthbrücke und der Mühlbrücke diesen Baumaßnahmen zum Opfer fiel.
Der weitere Verlauf der Straße fiihrte an die äußerste Kante des Burgbergvorsprunges heran. Hier mußte zur Römerzeit der erste Flußübergang mittels Brücke gewesen sein. Etwa dort, wo sich heute die sog. Mühlbrücke (Gemeindewerke) befindet, nur mehr links davon, etwa an der Stelle beim "Hlg. Antonius", muß die Brücke gewesen sein. Die Örtlichkeit war ja damals ganz anders. Es gab noch keinen Mühlbach in der Nähe und auch die Isar war noch nicht so tief "eingebettet". Die Straße mußte damals hart am Berghang entlanggeführt haben und daher unter den Häusern "Zur Mühle", "Gasthaus Germania" und "Weinkellerei Neuner" liegen.
Etwa dort wo heute die Straße nach Leutasch abzweigt, machte die Römerstraße einen Knick nach Westen Unmittelbar nach diesem Knick, muß man zwei Straßenzüge annehmen. Eine alte Straße, basierend auf einen noch älteren Saumweg und eine neue Straße ab etwa 200 n.Chr. Die erste der beiden Straßen fiihrte gerade weiter, etwa im Verlauf des heutigen Römerweges zwischen Frühlingsstr./Ludwig-Murrstraße -Puit - Kranzbergstraße - Kalvarienberg - weiter zum Gröblweg abfallend. Auf Höhe des letzten Hauses hat die Römerstraße den von, links kommenden Wildbach überschritten (Brücke?) unf führt weiter in Richtung Sonnleiten. Die Straße führt weiter abwärts und im weiteren Verlauf ein Stück an der Stelle entlang, wo später die alte "Gsteigstraße" darüber gebaut wurde. Kurs vor der zur rechten Seite liegenden Wiese in den Wald ab und führte in Richtung des jetzigen Eisenbahnviaduktes (noch schwache Spuren). Hier überquerte die Straße einst mittels Furt (oder Brücke?) den Abfluß des einstigen Schmalensees, den ich LACUS SCARBIANUS taufte mündete in den Bockweg ein.
Der weitere Verlauf ist im Bockweg anzunehmen, da der Schmalensee zu jener Zeit alles andere als ein schmaler See war. Er reichte mit Sicherheit bis an die damalige Straße heran und überflutete sie auch mit Sicherheit zu bestimmten Jahreszeiten. Die mag u.a. auch der Anlaß gewesen sein, diese Straße aufzugeben und einer neu angelegten Straße im Tal den Vorzug zu geben. Diese Straße wurde also nur bis zum Ausbau von VERONA nach AUGUSTE VINDELICUM durch SEPTIMIUS SERVUS (195 - 211 n. CHR:) benutzt.
Im Zuge dieses Straßenbaues wurde dann die Straße in das Tal verlegt und dort zur Heeresstraße ausgebaut. Die Beschreibung der "alten Straße" beende ich hier am Bockweg. Im Verlauf der "neuen Straße" treffen wir später wieder mit diesem Straßenabschnitt zusammen. Die zweite der vorhin erwähnten Straßen 1ieß SEPTIMIUS SERVUS in der Zeit von 195 - 211 n.Chr. erbauen und in manchen Abschnitten neu trassieren. Von der Tiroler Grenze her wurde die alte Straße überbaut und ab dem Knick am "Burgbergeck" gerade aus in Richtung der heutigen Pfarrkirche neu trasssiert. Die Straße mußte damals links der Ortsstraße erhöht verlaufen sein, denn der heutige Verlauf der Ortsstraße war zur damaligen Zeit ein Nebenarm der Isar, wie heute noch unschwer in Höhe Kindergarten und "Gasthaus Römerschanze" zu erkennen ist.
Damals wurde auch an der Engstelle am Burgbergeck" eine befestigte Römerschanze zwischen dem Nebenarm und dem Burgberg errichtet, welche heute noch dieser Gegend (a da Schanz) und dem Gasthaus den Namen gibt. Der Verlauf der Straße ist also links der Ortsstraße bis hin zum Dekan-Karl-Platz und dem Obermarkt anzunehmen (durch Baumaßnahmen zerstört). Jener Kaiser SEPTIMUS SEVERUS, unter dessen Regierungszeit diese Straße gebaut wurde, war ein logistisch weit- blickender Mann. Er ließ nicht nur diese Straße neu trassieren und anlegen, sondern auch an geographisch günstigen Stellen Stationen, Mansionen und Kastelle errichten.
Im Bereich des Obermarktes/Ballenhausgasse mit Zentrum Kirche muß die in der TABULA PEUTINGERIANA aufgeführte, Station SCARBIA gewesen sein. Als Beweis habe ich den Ausschnitt der TP nachstehend aufgeführt, auf welcher SCARBIA 11 röm. Meilen (XI MP)von PARTANUM in südlicher Richtung aufgeführt ist. Diese 11 röm. Meilen entsprechen exakt 16,3 km. Das ist die Entfernung entlang der Römerstraße vom Partenkirchner bis zum Mittenwalder Kirchturm.. Dies hängt einerseits mit dem einzigen in der Station/ Kastell aus Stein errichtetem Gebäude und andererseits mit dem Fahnenheiligtum in diesem Gebäude zusammen. Spätestens also, als diese "neue Straße" gebaut wurde, kann man die Stationen SCARBIA u. COVELIACAS und das Kastell PARTANUM annehmen. Dies sind die drei Orte mit röm. Vergangenheit in unserem Landkreis.
Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang mit den röm. Stützpunkten, daß diese nach heutigen Gesichtspunkten einen militärischen Sperrbezirk darstellten. Sogar die kleinste Station hatte einen Palisadenzaun im Geviert herum und die Wachposten ließen an den Toren (meist vier) nur Römer und solche mit Erlaubnis des CENTURIO (Hauptmann und Kommandant) passieren. Die Zivilbevölkerung- welche sich nach dem Bau eines röm. Stützpunktes meist in der Nähe ansiedelte (Soldaten zogen immer schon Menschen an um mit den Soldaten Tauschgeschäfte abzuwickeln. Das älteste Gewerbe sei hier nicht ausgeschlossen), mußte diesen Ort also umgehen. Dies werden wir auch später beim Kastell PARTANUM besprechen. Im Bereich von SCARBIA zweigte diese "Umgehungsstraße" in Höhe des heutigen Dekan-Karl-Platz zum Pechhüttenweg ab, fahre weiter in Höhe der Frühlingsstraße - Gries - Goethestraße weiter und vereinigte sich im Bereich am Anger hinter der ev. Kirche mit der Römerstraße aus der Station.
Wir aber kehren noch mal zurück zur Station und verlassen auf der Römerstraße diese etwa am Ende der Ballenhausgasse. Diese Straße mußte im weiteren Verlauf über den Anger geführt haben. Ein alter Mittenwalder erzählte mir vor etwa 30 Jahren, daß beim Bau des Krankenhauses '1928 Teile einer alten Straße zum Vorschein kamen, aber nicht beachtet und zerstört, wurden (typisch!). Die Römerstraße ist ab dem vorher erwähnten Punkt im weiteren Verlauf der Goethestraße (nah am Hang) anzunehmen. Danach befindet sich die Römerstraße überbaut und zerstört unter der Straßendecke der B l1 bis zum ehem. Kreidewerk.. Allerdings wußte Eberl im Jahre 1928 (Begehung vor dem 1. Weltkrieg) noch von einigen Resten zu berichten. In Höhe des ehem. Kreidewerkes bog die Straße dann nach Westen in Richtung "Lebensgefahr" ab.
Im unteren Teil ist heute leider nichts mehr zu sehen, da beim Bau des damaligen Schießplatzes und später , als man daraus eine Mülldeponie machte, alles verändert und überdeckt wurde. Nur am westlichen Rand des Müllplatzes ist im Wald noch der Rest von einer überwachsenen Römerstraße zu sehen, welche allmählich den Hang ansteigt und in einer Höhe von etwa 930 m NN scharf nach links abbiegt.
Verschiedentlich wird dieser Straßenabschnitt als Römerstraße angezweifelt und diese als eine von der "Reichswehr" um 1938 angelegte Militärstraße bezeichnet. Gut, ich streite nicht ab, daß womöglich dieser Straßenabschnitt kurzzeitig- militärisch genutzt wurde. Angelegt aber wurde dieses Straßenstück mit Bestimmtheit schon viel früher. Ich führe hier nochmals Eberl an, welcher bereits vor dem 1. Weltkrieg (!) diese Straße als Römerstraße feststellte beging und diese im "Schwäbischen Museum" 1928 beschrieb. Kehren wir wieder zurück an die Stelle, an der die Römerstraße, wie vorhin erwähnt, nach links abbiegt. Etwa 20 m weiter in Richtung zur "Lebensgefahr" habe ich im Frühhjahr 1982 an dieser Straße bereits einen "Profilschnitt" gegraben und eindeutig unter etwa 20 bis 30 cm Humus eine zur Mitte gewölbte Kiesschicht festgestellt, welche auf eine etwa 5 m breite Straße schließen läßt. Leider wurde der weitere Verlauf dieser Straße durch die Erosion der Isar, einem Geländeabbruch, genannt die "Lebensgefahr", total zerstört. Ob diese Zerstörung erst in späterer nachrömischer Zeit eintrat oder schon früher, läßt sich nicht nachweisen. Da aber vieles dafür spricht, möchte ich sogar behaupten, daß dieser Straßenabschnitt schon während der römischen Besatzungszeit, zumindest im letzten Jahrhundert, zerstört wurde. Zum einen Mal ist die Straße, durch welche ich den Profilschnitt grub noch sehr gut erhalten, d.h. wenig befahren worden, zum anderen Mal gibt es in der Nähe so etwas wie eine "Ersatzstraße", welche zwar sehr steil ist, aber da- für quasi in der "Diritissima" den Hang erklimmt und auf dem Plateau wieder mit der Straße von der Lebensgefahr her zusammentrifft. Diese Ersatzstraße von damals ist heute noch als zerfahrener und ausgewaschener Weg sichtbar. Im oberen Teilstück noch Hohlweg, am Plateau als Feldweg vorhanden.
Kehren wir wieder an die Stelle zurück, an der die Straße durch den Abbruch der Lebensgefahr zerstört ist. Es mögen gut 200 m sein, welche im Laufe der Zeit in die Tiefe gerissen wurden. Erst kurz bevor die Straße das Hochplateau erreicht, wird sie wieder in einem kurzen Stück sichtbar. Zu diesem Straßenabschnitt vom tiefsten Punkt (Höhe Kreidewerk) bis zum Hochplateau noch eine interessante Anmerkung. Diese Art der Straßenführung vom Tal zu einem erhöhten Punkt ist typisch für den römischen Straßenbau. Eberl erwähnt auch, daß diese Art von Überwindung einer Höhe im "Terassenbau" an insgesamt drei bekannten Stellen in RALTIEN vorkommt. Hier an dieser Stelle, bei Grünwald an der Isar und bei Epfach am Lech.
Am Hochplateau angekommen, ist von der Straße, welche zwar kurz nach dem Abbruch für einige Meter sichtbar ist, nichts mehr zu sehen. Einst mußte die Straße ein sumpfiges Gelände durchqueren, in welchem der schwere Straßenkörper im Laufe der Zeit versank. Sie verläuft aber in südwestlicher Richtung dem Bockweg entgegen und trifft dort mit der "alten Straße" zusammen. Ebenso mündet in unmittelbarer Nähe die vorhin erwähnte steile Ersatzstraße an dieser Stelle ein. Von hier ab führt dann die Straße in nordwestlicher Richtung links an einem Heustadel vorbei, fällt ab und zieht einem Tal entgegen, welches zur damaligen Zeit noch kein "Trockentälchen"' war wie Eberl meint, sondern einen Ausläufer des Schmalensees darstellte.
Dieses "Hindernis" wurde von den Römern mittels Brücke überwunden. Noch heute ist an dieser Stelle deutlich ein Damm zu sehen welcher davon herrührt, als einst diese altersschwache Brücke in nachrömischer Zeit einstürzte bzw. zur Seite kippte. An der Ostseite dieses Tälchens ist auch noch der Straßendamm deutlich zu erkennen. An dieser Stelle stellte ich schon vor Jahren einen Profilschnitt her, indem ich einen Graben quer zum Straßenverlauf machte. Dabei stellte ich verschiedene Schichten Kies fest. Darunter befanden sich auch Holzstückchen in etwa 45 cm Tiefe., als Reste der ehemaligen Brückenkonstruktion. Diese Stelle ist heute etwa 300 m nördlich des Eisenbahnviaduktes, rechts der Straße zum Tonihof zu finden. Nach dieser Brücke ist die Römerstraße in ihren Ver- lauf noch schwach in der Wiese sichtbar, wo sie sich allmählich in den Fluren verläuft. Erst kurz vor dem Anstieg wird sie wieder sichtbar und zieht nach links den Hang hinauf. Eberl erkannte vor ca. 8o Jahren noch eine weitere Straße, welche schon vor dem "Linksknick" abzweigte und steil den Hang anstieg, von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Seinen Angaben nach, befand sich hier eine "Bifurkation"
Eine Bifurkation ist eine Straßenteilung mit kurz- zeitiger paralleler Führung und erneutem Zusammenschluß. Ich nehme an, daß diese Bifurkation von den römischen Straßenbauern geplant war. Der steile Straßenteil war für abwärts fahrende Fahrzeuge gedacht und der sanft ansteigende Teil für bergauf fahrende Wagen. Somit war im Anstieg eine Ausweichmöglichkeit geschaffen. Aus dieser Verkehrssituation geht hervor, daß zumindest hier Linksverkehr herrschte. Sollte dies im römischen Imperium üblich gewesen sein? Dann wäre auch der Linksverkehr in England, der ehem. Provinz BRITANNIA, als ein konservatives Überbleibsel zu verstehen. Auf der Höhe angekommen, vereinigen sich nach etwa l00 m beide Straßenteile wieder. Danach zog die Straße nach Westen Über eine Wiese, auf welcher die Römerstraße durch den damaligen Reichsarbeitsdienst (RAD) total zerstört wurde. Diese Zerstörung traf die Römerstraße im gesamten Gebiet mit wenigen Ausnahmen. Erst nach dem Feldweg, welcher von der Staatsstraße zu den Buckelwiesen führt, war die Römerstraße bis zum Jahre 1087 als ein sehr schöner und gut erhaltenen Damm auf einer Länge von gut l00 m zu sehen. Bei einer Nacht- und Nebelaktion wurden durch den Grundbesitzer etwa 60 m dieser Straße anplaniert und somit zerstört. Im weiteren Verlauf zieht die Römerstraße in nordwestlicher Richtung und geht in einen Hohlweg über. Der weitere Verlauf wurde beim Bau der Eisenbahnlinie und bei der Neuanlage der Staatsstraße total zerstört und überbaut. An manchen Stellen ist sie noch schwach als dammartiger Straßenrand zu erkennen. Erst am Straßenpunkt 941 wird die Römerstraße wieder als Feldweg sichtbar.
   
Ab hier verläuft sie den parallelen Verlauf von Staatsstraße und Eisenbahn und biegt nach Westen ab. Es handelt sich um einen Feldweg, der die dammartig angelegte Römerstraße bis zum sogenannten "Stich" erkennen läßt. Eine Frage taucht plötzlich auf: warum der heute noch hohe Damm und der leichte Bogen zum Stich? Geradeaus über die vorhandene Wiese wäre es doch einfacher gewesen. Heute ist es eine Wiese, aber was war es vor 1800 Jahren? Die Gegend wird "Gwicken" oder "Gewicken" genannt. Der Name soll etwas "Nasses" bedeuten und ein alter Mittenwalder erzählte mir auch hier vor mehr als 30 Jahren, daß hier einmal ein -großer See war. Aha, deshalb diesr hohe Straßendamm und der Weg zum Stich. Der Stich selbst ist ein stark zerfahrener Hohlweg mit einer zweiten Spur zur linken Seite. Es muß in früheren Zeiten einmal eine Verlegung, der Fahrspur stattgefunden haben. Die linke Spur ist nicht so tief eingeschnitten als die rechte z.Zt. noch als Feldweg benutzte Spur. Nach diesem "Stich" ist die Römerstraße unter dem Feldweg anzunehmen und zieht dem Kranzbach entgegen.
Kurz vor dem Kranzbach macht die Römerstraße erneut einen Knick und zwar nach Norden. Ab hier wird die Römerstraße als "Geleisestraße" sichtbar. Sie zeigt sich auf einer Länge von etwa 180 m rechts des Kranzbaches. Die Straße macht zwar einen stark zerfahrenen Eindruck, da sie noch bis ins Mittelalter frequentiert wurde. Es sind tief eingeschnittene Fahrrillen zu sehen, über deren Herkunft Unklarheit besteht. Sind sie von den Römern in den Stein geschlagen worden, oder im Laufe der Jahrhunderte entstanden? Hier dürfte aber beides zutreffen, erst der manuelle Einschlag um die Spur im Gefälle zu halten und später bremsten sich die Räder in den Stein. Diese eingebremsten Rillen sind teilweise bis zu 20 cm tief. Die weiteren Maße der Geleisestraße sind: Äußere Weite: 130 cm auf der gesamten Länge auf der gesamten Länge Innere Weite: 95 cm auf der gesamten Länge auf der gesamten Länge Mittlere Weite: 107 cm Am nördlichen Ende dieser Straße verschwinden die Geleisespuren gänzlich.
Über den Kranzbach hat sie mit Sicherheit mittels Brücke geführt. Im weiteren Verlauf ist sie ab dem Kranzbachübergang die ersten Meter unter der Straße Klais-Elmau anzunehmen, danach links der Straße unter den Gärten und Häusern mit grober Richtung zur Kapelle in Klais - . Diese Annahme bestätigte mir ein Einheimischer aus Klais, der bei einer Baumaßnahme in diesem Bereich in etwa 0,5 m Tiefe Straßenreste fand.
Im Ga-Pa-Tagblatt vom 15.05.1952 wird berichtet, daß beim Verlegen von Wasserleitungen zwischen dem Bahnhofskiosk und der Straße nach Elmau in 90 cm Tiefe ein Knüppeldamm mit einer Breite von 6 m gefunden wurde. Die Fichtenstämme von '15 - 20 cm Durchmesser trugen deutlich 4 - 5 cm breite ausgehöhlte Radspuren. Die gesamte Breite dieses Knüppeldammes aufzudecken war damals nicht möglich, weil die entsprechende Zeit fehlte. Es wurden auch keine Archäologen zugezogen, um wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen.
   
An der Kapelle von Klais machte die Römerstraße einen Bogen nach links und ist im Verlauf der Ortsstraße in Richtung Bahnhof anzunehmen.. Im Verlauf dieser Ortsstraße, welche vor Jahren noch als Bundesstraße die Bahnlinie überquerte, führte einst" die Römerstraße in Richtung "Sonnenhof". Sie blieb hier meist hart am rechten Rand des Tales und verlief in nordwestlicher Richtung weiter nach Gerold. Der Grund weshalb diese Straße so äußerst rechts geführt wurde, war ein See zur Linken, welcher sich etwa von kurz vor bis nach dem Straßenkilometer l04 ausdehnte. In sehr alten Karten ist dieser See noch als "Wildenanger Weyer" eingezeichnet. Leider ist dieser See heute verlandet. Ein Beweis mehr, für die rasche Vergänglichkeit markanter geographischer Punkte. Entlang- dieses einstigen Sees führte die Römerstraße zwischen der Bahnlinie und der Bundesstraße.
Dammartige Erhöhungen sind hier noch schwach vorhanden. Bei Km. 103 wird die Römerstraße wieder als Hohlweg, flankiert von Haselnußsträuchern sichtbar. Sie steigt zur Bundesstraße an und verläuft unter derselben ca. 50 m und schwenkt dann nach rechts leicht ansteigend in Richtung, Gerold. Der Straßenkörper ist, hier etwa. 10 m sichtbar bis dieser in einen Hohlweg übergeht. Als Begleiterscheinung unserer Zeit ist dieser Hohlweg mit Kulturmüll aufgefüllt (Privatgrundstück) Im weiteren Verlauf zieht die Römerstraße durch den Weiler Gerold und dann weiter zur Engstelle des Plattele.
Durch Gerold ist sie im Verlauf der Straße anzunehmen, ebenso zeugt der. westliche Teil mit seiner dammartigen und geraden Führung noch von seiner römischen Vorgängerin. Am -Plattele führte die Römerstraße eindeutig durch diese Engstelle, da weder links Über den Hirschbichel, noch rechts durch den Güttlegraben eine bessere Möglichkeit vorhanden war. Die römischen Straßenbauer blieben lieber im Tal und mieden die Höhen. Leider ließ der Eisenbahn- und Straßenbau an dieser Stelle nichts mehr von der Römerstraße übrig. Nach dem "Plattele" ist die Römerstraße größtenteils durch die Bundesstraße überdeckt und führt mit dieser identisch (nur geringe Abweichungen) zum Weiler Kaltenbrunn. Durch Kaltenbrunn führte die Römerstraße rechts der Bundesstraße, da auf der Wiese zwischen Wald und dem Gasthaus schwache Spuren sichtbar sind. Erst nach Kaltenbrunn sind rechts der B2 schwache Spuren der Römer- und Rottstaße vorhanden gewesen.
Leider wurde im Jahre 1991 über diese Straße ,ein schonender Asphaltbelag darüber gelegt, welcher als Teil eines Radweges dient. Auch eine Form, mittels Asphalt die Römerstraße zu konservieren. Der weitere Verlauf der Straßen (Römer- u. Rottstraße) ist links der B2 und zwar ab der Abzweigung des Weges nach Wamberg anzunehmen. Sie tangiert hier die B2 und führt weiter in eine Senke abfallend. Ab hier führte auch die alte B2 zu dieser Senke (sichtbar und begehbar). Nach einigen l00 m bog dann die Römerstraße nach rechts ab und stieg den Hang an. Heute noch identisch mit der Straße nach Höfle und Schlatan. An der folgenden Wegegabel (Partenkirchen - Schlatan) erreichte die Römerstraße den Höchsten Punkt mit etwa 900 m. Anschließend fällt die Römerstraße wieder ab bis auf die Höhe der heutigen Vogelschutzwarte (alte Gsteigstraße). Entlang dieser alten Gsteigstraße finden wir viele dammartige Reste der Römerstraße. Eberl bezeichnet diese Dammreste, besonders die 550 m westlich der Straßengabel nach Schlatan, als besonders deutlich und gut erhalten. Diese Feststellung des Herrn Eberl stimmt heute fast noch.. Im weiteren Verlauf bis zur Vogelschutzwarte sind, außer den vorhin erwähnten Dammresten, keine verwertbaren Spuren mehr vorhanden.
Nach der Vogelschutzwarte fällt die Römerstraße weiter ins Tal ab. Vorher ist noch eine Straßengabel zu erwähnen. Hier muß schon zur Römerzeit die bei Mittenwald erwähnte Umgehungsstraße" des Kastells abgezweigt haben. Die gerade Straßenführung und die "Durchstiche" lassen in der Trassenführung auf römische Bauweise schließen. Diese Straße führte einerseits zur Siedlung im Bereich de--Hasentales, andererseits umging man großzügig das Kastell. Kehren wir aber wieder zur vorhin erwähnten Straßengabel zurück und verfolgen die Römerstraße weiter in Richtung Partenkirchen. Sie fällt ab der Vogelschutzwarte ab und ist mit der Gsteigstraße zum Teil trassengleich. Vereinzelt sind noch Hohlwegspuren der Rott- und der älteren Römerstraße zu erkennen. Kurz bevor die Straße das Tal erreicht, macht sie noch einen Knick nach rechts und geht dann im Tal beim sogenannten "Riedeck" in die Ludwigstraße über. In Höhe des Gasthauses "Fraundorfer" macht die Ludwigstraße einen Knick nach links" die Römerstraße muß aber gerade in Richtung der heutigen Kirche geführt haben. Ich vermute, daß es auch hier, wie in Mittenwald zutrifft, daß der Mittelpunkt des Kastell., dort zu suchen ist, wo die Pfarrkirche von Partenkirchen steht. Die vorhin bei SCARBIA/Mittenwald erwähnte Theorie Fahnenheiligtum - Kirche kann auch für PARTANUM/Partenkirchen angewandt werden.. Es wurde zwar noch nie so tief im Kirchenbereich gegraben um die nötigen Belege zu liefern. Infrarotaufnahmen scheiden hier ebenfalls aus, weil die "Objekte" zu -tief liegen. Die Geröllablagerungen des Fauken haben nach der Römerherrschaft diese Stätte mit bis zu 7 m hohen Faukenschutt überdeckt. Diese Geröllmassen kann man heute noch recht gut sehen. Sie beginnen etwa bei der St. Sebastians-Kapelle, lassen die Ludwigstraße ansteigen und ziehen sich wellenförmig bis zum G'steig hin.- Der höchste'Punkt dieser Auf schuttung ist etwa am Floriansplatz und verläuft sanft abfallend zur Kanker.
Wir wollen aber wieder zum Mittelpunkt des alten. PART!ANUM zurückkehren und -uns mit der Lage des ehemaligen römischen Kastells befassen Nimmt man nun die Kirche von Partenkirchen als Kastellmitte und eine Kastellgröße (mittlerer Wert) von etwa 150 m x 220 m an, dann hätte das Kastell folgende Ausdehnung gehabt: Im Norden etwa bis zur Sonnenbergstraße im Süden etwa bis auf die Höhe "Gaststätte Frauendorfer" im Westen etwa bis hinter das Werdenfelser Museum und im Osten bis dorthin, wo die Ballengasse den ersten Knick macht. Denkt man sich diesen Knick fort und verlängert diese Straße in geraden Richtung zur Kirche, so hat man schon die Verbindungsstraße zwischen dem Kastell (PORTA DEXTRA = rechtes Tor) und der Siedlung im Bereich Fauken/Hasentall. Im Westen -würde der Anfang der Badgasse die Straße zwischen dem PORTA SINISTRA = linkes Tor und den Bäderanlanlagen an der Kanker darstellen. Bei der Bezeichnung der Tore gingen die Römer davon aus, daß sich das feindwärts gelegene Tor, das PORTA PRAETORIA immer in nördlicher Richtung befand. Dieses ist im Bereich der Sonnenbergstraße zu suchen (angeblichen Mauerfund in den 20'er Jahren) und das PORTA DECUMANA = rückwärtiges Tor, im Süden in der Gegend um "Gaststätte Fraundorfer" anzunehmen.
Dies sind allerdings nur Vermutungen, quasi Umlegungen vergleichbarer Kastellgrößen auf das Kastell PARTANUM. Dies könnte durchaus den geografischen Verhältnissen entsprechen, da- auch die Entfernungsangsben der TABULA PEUTINGERIANA nach SCAPBIA/Mittenwald mit 11 MP = 16,2 km gemessen am Verlauf der Römerstraße exakt stimmen. Beweise allerdings könnten nur durch tiefe Grabungen, evtl. bei Bauarbeiten und vor allen durch die Mitarbeit der Bevölkerung: (Melden von Funden) erbracht werden. Begeben wir uns wieder zurück zum Verlauf der Römerstraße. Am -PORTA PRAETORIA; welches an der Sonnenbergstraße in Höhe der Pfarrgasse vermutet wird, hat die Römerstraße das Kastell verlassen und zog- in fast gerader Richtung zum Hölzlweg. Bevor wir aber gedanklich weiter gehen, noch zurück zur sogenannten Umgehungssstraße,. welche nach der Vogelschutzwarte abzweigt. Diese führte einst zur Siedlung im Hasental, bog aber um das Kastell herum, etwa Hasentalstraße - Faukenstraße - Floriansplatz - Sonnenbergstraße - Hölzleweg. Ab Einmündung Forsterweg" endete diese Umgehungsstraße.
Die Römerstraße ist im Verlauf' des Hölzleweges anzunehmen und vor Einmündung in die Münchnerstraße hart am Hangfuß des Wankkausläufers zu suchen. Schwache Spuren sind noch vorhanden, große Teile der alten Straße wurden erst kürzlich bei der Neueinbettung des Baches zerstört. Weiter zog die Römerstraße immer noch am Hang bleibend in Richtung Friedhof , bog dann nach rechts ab und verlief in fast nördl. Richtung durch die Wiese mit Feldkreuz (ehem. Galgen),unter dem Polizeigebäude hinweg noch weiter am Hang bleibend. Nach dem "Brünnl" zog, sie denn etwas nach links und ist im Verlauf der alten Straße (heute durch Straßenspinne zerstört, aber auf alten Karten sichtbar) und der Partenkirchenerstraße nach Farchant anzunehmen.
Der Brückenschlag muß zur Römer- zeit etwas links der heutigen Brücke gewesen sein. Etwa 8oo m nördl. der Brücke ist die Straße unter dem Bahnkörper anzunehmen, unter dem sie bis fast vor Oberau, im Wechsel mit der Straße liegt. Die gerade Linienführung und der solide Unterbau der Römerstraße mögen die Planer und Eisenbahnbauer dazu animiert haben, Teile dieser Straße für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Von Oberau bis Eschenlohe ist von der Römerstraße, von schwachen Spuren abgesehen, fast nichts mehr zu sehen. Sie liegt in diesem Abschnitt ebenfalls wieder unter der Bundesstraße bzw. dem Bahnkörper.
Bevor dieser Straßenteil von Oberau nach Eschenlohe durch SEPTIMIUS SEVERUS erbaut wurde, nehme ich an daß der alte Saumpfad durch das Katzental nach Plaiken als Römerstraße ausgebaut und benutzt wurde.
   
Die neue Straße des SEPTIMIUS SEVERUS bog vor Eschenlohe um den "Vestbühl" herum und zog dann durch das Moor in Richtung Schwaigen', wo sie sich mit der vorhin erwähnten alten Straße vom Katzental her kommend, wieder traf. Die Straße durch das "Moos" wurde von den Römern mit Sicherheit als hoher Damm gebaut, um das Wasser des damaligen Stausees der Loisach abzuhalten, wodurch dann das Gebiet um Plaiken/Schwaigen trocken blieb.
Alten Überlieferungen zufolge, standen an diesen Hängen römische Gutshöfe. Nur Grabungen und Infrarotaufnahmen könnten hier Beweise liefern. Die Straße von Eschenlohe nach Schwaigen hatte allerdings keine lange Lebensdauer. Im Laufe der Jahrhunderte ist sie durch das enorme Eigengewicht im Moosboden versunken. 1935 wurden Teile davon in 2 - 3 m Tiefe freigelegt, ebenso 1996/97. Der weitere Verlauf der Römerstraße fiihrte in Richtung Grafenaschau, mit einer Abzweigung zum befestigten Stützpunkt auf dem Moosberg, (Steinbruch - zerstört). Ab Grafenaschau führte sie auf den, dem See vorgelegten Höhenrücken, um auf diesem in östlicher Richtung nach Murnau zu ziehen.
Eine Straße in westlicher Richtung nach Bad Kohlgrub und Bad Bayersoiern wird als Verbindungsstraße zur VIA CLAUDIA angenommen. Vor Murnau bog die Römerstraße dann nordwärts, um in Höhe des heutigen Bahnhofs zur Halbinsel Buchau/Wörth abzuzweigen. Beim Bau der Bahnanlagen wurden damals alle Spuren dieser Abzweigung zerstört.
Auf der Insel Wörth im Staffelsee kann sich nach meinen Berechnungen das römische COVELIACAS befunden haben. Zur Zeit sind zwar noch Grabungen im Gange. die aber noch nichts konkretes erbrachten. Entfernungsmäßig kommt man mit ca. 59,5 MP = ca. 88 km ab AUGUSTA auf die Insel Wörth hin. Der weitere Verlauf der Römerstraße ist wieder im Verlauf der Bahnlinie an Riedhausen vorbei, durch den Standort Übungsplatz der Bundeswehr hindurch, in Richtung Eglfing anzunehmen. Eberl erwähnt in der Beschreibung dieses Abschnittes nur überackerte Spuren der Römerstraße, von denen heute fast nichts mehr zu sehen ist. Nach der Landkreisgrenze verlief die Römerstraße über Weilheim - Raisting (URUSA) - Dieüen - Geltendorf - Mehring- der Haupttstadt AUGUSTA VINDELICUM entgegnen
   
Ergänzend sei noch gesagt, daß die meisten Teile der Römerstraße im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nur zwischen Mittenwald-Nord und Gerold noch relativ gut erhalten zu sehen sind. Nur in diesem Bereich ist der genaue Verlauf der Straße zu verfolgen. Ab Gerold bis Partenkirchen sind noch wenige Teile vorhanden, teils stark zerstört und überbaut, lassen sie noch den Verlauf erkennen. Ab Partenkirchen war ich größtenteils auf alte Aufzeichnungen (z.B. Eberl) angewiesen. Die Grabungen auf der Insel Wörth lassen allerdings noch einiges erhoffen.
   
Willy Hochholdinger-Partenkirchen
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